Welfenschloss
Ansicht von Nordwesten (2024)
Ansicht von Südwesten (2024)
Nordfassade (2024)
Nordfassade: östlicher Teil (2024)
Ostfassade (2024)
Fachwerkanbau im Osten (2024)
Ansicht vom Questenberg (2024)
Ansicht von Südwesten: Schlosshof (2024)
Merianstich: Welfenschloss (1653)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Hann. Münden, Stadt
- Gemeinde
- Münden
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Münden
- Adresse
- Schlossplatz 3 -10
- Objekttyp
- Schlossgebäude
- Baujahr
- 1501 - 1624 (gotischer Kernbau)
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 315dce2e-f4b7-4fb1-81e0-2cf9a43fdc33
- System-ID
- #61606992
- ADABweb-ID
- 36476259
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Auf einer mäßigen Erhebung am Südufer der Werra gelegen, wohl an der Stelle einer hochmittelalterlichen Burg; seit 1247 welfischer Herrschaftssitz. Unter Herzog Erich I. (1470-1540) ab 1501 als Schloss neu erbaut mit Fachwerkoberteil und Holzgalerien, datiert am Treppenturm, die Hauptbauzeit lag vermutlich zwischen 1517 und 1524 (d und a). Als das spätgotische Welfenschloss 1560 teilweise durch einen Brand zerstört wurde, ließ Herzog Erich II. (1528-1584) es ab 1571 im Stil der Weserrenaissance bzw. niederländischen Renaissance als Vierflügelanlage wieder aufbauen. Im Nordosten der Anlage haben sich Teile des älteren Baus erhalten (Treppenturm und zum Fluss hin der polygonal gebrochene zweigeschossige Chor sowie die Kapelle im Kern und große Teile des Werraflügels bis in das zweite Obergeschoss, dessen westlicher Teil 1520 (d) errichtet worden war). 1735-41 erfolgte auf Befehl König Georgs II. v. England der Umbau zur Kaserne; der ehemalige Südflügel aus Fachwerk brannte 1849 ab. Seit 1861 wird das Schloss als Sitz verschiedener Behörden genutzt. Heute eine nach Süden offene massive Dreiflügelanlage, viergeschossig und unter hohem umlaufendem Dach mir regelmäßig angelegten Lukarnen mit bescheidenem Dekor. Der langgestreckte Werraflügel mit hohen Kreuzpfostenfenstern zeigt an der westlichen Schmalseite einen 1565 fertiggestellten Schweifgiebel mit Tugendfiguren, Obelisken- und Kugeldekor. Am westlichen Ende ist ein Treppenhaus mit je zwei geraden Läufen und Podest zwischen den Geschossen angefügt – über diese Länge hinaus ist der Westflügel nie erweitert worden, stellt sich also verkürzt dar, während der Ostflügel an einem ehemaligen Stadtmauerturm endet und eine vergleichbare Gestaltung zum Werraflügel aufweist. Die Eingänge finden sich hofseitig über verschiedene Portale. Im Inneren sind zwei Gemächer jeweils mit polygonal gebrochenem spätgotischem Erker erhalten (zweigeschossiger „Chor“ im Außenbau) ebenso einige bedeutende Wandgemäldezyklen der Zeit Herzog Erichs II. (Öltempera, um 1575/80 wohl von niederländischen Künstlern). Im „Gemach zum Weißen Ross" findet sich in antikisch empfundenen Scheinarchitekturen, durchmischt mit zeitgenössischem Formenrepertoire, die Darstellung von sieben Helden des Alten Testaments, dazwischen auf drei Wandfeldern alttestamentliche Heldinnen als Halbfiguren in reichen Rollwerkrahmen; über dem Sandsteinkamin (dat.1562; Kopie?) das Sachsenross; im tiefen Türgewände Narr und gegenüber ein Wilder Mann mit Keule; eine ältere Raumfassung liegt an einigen Stellen frei. Der Raum darüber, das „Römergemach", mit ähnlicher Thematik: Dargestellt sind neun Helden des klassischen Altertums (z.T. frei ergänzt); die einzelnen Wandfelder durch gemalte Karyatiden abgetrennt, die Roll- und Beschlagwerk-Kartuschen noch reicher. Im Original sind hier ein Sandsteinkamin (dat. 1574), Decke und Fußboden überkommen. Weitere Malereireste teils aus der gleichen Zeit, teils aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammend finden sich im „Lepantosaal" (Reste der Lepanto-Schlacht von 1571/1580).
- Denkmalbegründung
- Seit 1498 war das Mündener Schloss Residenz des Fürstentums Calenberg-Göttingen und sowohl Wohnsitz von Erich I. (1470-1540), seiner Frau Elisabeth von Brandenburg (1510-1558) als auch ihres gemeinsamen Sohnes Erich II (1528-1584). Als dieser 1584 starb , erlosch das Geschlecht. Sein damals verschuldetes Fürstentum fiel an die Wolfenbütteler Linie der Welfen. Damit verlor Münden schließlich 1584 seinen Status als Residenzstadt, das Schloss blieb lediglich als fürstliches Haus eingerichtet. Über die Belegung des Schlosses ohne Residenzstatus liegen nur spärliche Hinweise vor, die für eine laufende Instandhaltung sprechen. Die nachfolgenden Landesherren hielten sich dort nur zu bestimmten Anlässen auf, wie zur Huldigung durch die Mündener Bürger. Im 18. Jahrhundert diente es als Kaserne und anschließend als Kornspeicher. Ab 1861 wurde das Schloss Sitz verschiedener Verwaltungen, so zog zunächst das Amtsgericht Münden ein, und 1868 folgten Teile der neu gegründeten Königlich Preußischen Forstakademie Hannoversch Münden. Katasteramt, Hochbauverwaltung, Finanzamt und ab 1898 das Heimatmuseum hatten hier ihren Sitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Land Niedersachsen als Rechtsnachfolgerin das Schloss. Da bei der Stadt Hann. Münden ab den 1970er Jahren vermehrt Platzbedarf für kulturelle Einrichtungen herrschte, überließ das Land Niedersachsen 1980 der Stadt das Schloss mit einem langfristigen Mietvertrag. Das öffentliche Erhaltungsinteresse am Mündener Schloss liegt in der geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung begründet. Es handelt sich um einen typischen Schlossbau der Umbruchzeit zwischen Mittealter und Renaissance, aus beiden Epochen sind bauliche Elemente erhalten. Der im 16. Jahrhundert fertiggestellte Bau ist zudem ein überaus bedeutender Bau der Weserrenaissance in Niedersachsen und von hohem landesgeschichtlichen Wert. Künstlerischen Wert hat die nicht alltägliche und teilweise gut erhaltene Innenausstattung mit Wandgemälden des 16. Jahrhunderts. Nicht zuletzt liegt ein bedeutender städtebaulicher Schau- und Zeugniswert vor, der sowohl das umliegende Straßenbild, das Bild der Platzanlage vor dem Schloss als auch die Ortsansicht von der anderen Werraseite aus umfasst.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS
Ansicht von Nordwesten (2024)
Ansicht von Südwesten (2024)
Nordfassade (2024)
Nordfassade: östlicher Teil (2024)
Ostfassade (2024)
Fachwerkanbau im Osten (2024)
Ansicht vom Questenberg (2024)
Ansicht von Südwesten: Schlosshof (2024)
Merianstich: Welfenschloss (1653)

