Vierständer-Längsdurchfahrtsscheune
- Landkreis
- Lüchow-Dannenberg
- Samtgemeinde
- Lüchow
- Gemeinde
- Lüchow (Wendland), Stadt
- Gemarkung
- Jabel
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Jabel
- Adresse
- Jabel 13
- Objekttyp
- Scheune
- Baujahr
- 1886
- Denkmalstatus
- Teil einer Gruppe baulicher Anlagen (gemäß § 3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 27f461c3-fb2c-481a-b498-1a86f86bbdef
- System-ID
- #61719232
- ADABweb-ID
- 44669739
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Scheune entstand vor Zusammenlegung der beiden Hofstellen und –plätze durch Heirat von Dorothea Elisabeth Schulz und dem benachbarten, ehemaligen Halbhufner Johann Christoph Mente von Hof Nr. 12 im Jahr 1919. Die Scheune steht auf dem Grundstück von Hof Nr. 13 unmittelbar an der alten Grundstücksgrenze zu Hof Nr. 12 mit dem Giebel zum Dorfplatz. Die ehemalige Vollhufnerstelle bildete neben zwei Dreiviertelhufnerstellen und 12 Halbhufnerstellen mit 77 Morgen und 85 qm den größten Hof im Dorfe. Die Grundherrschaft lag bei der Familie von Plate auf dem Oberhof in Grabow. Der Hof mit der Brandkassennummer 4 ist auf der Verkoppelungskarte von 1847-50 mit „d“ bezeichnet. Zur Hofstelle gehörten seit 1795 das 1979 abgebrochene Haupthaus, eine Scheune, zwei Nebengebäude und ein Backhaus. Der Hof wurde im 19. Jh. von Peter Heinrich Schultze auf Jochen Heinrich Schultze und schließlich auf Jochen Caspar Schulz vererbt. Während das Haupthaus von Nr. 13 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt wurde, blieb der Bauplatz des 1969 abgebrochenen Haupthauses der Hofstelle Nr. 12 bis heute unbebaut. Neben der Scheune sind auf der Hofstelle Nr. 13 der ehemalige Schweinestall an der Nordseite von 1921 und die weitgehend in sich zusammengebrochene Flachsdarre im Hofwald nordwestlich der Scheune vorhanden. Das stark veränderte, zwischenzeitlich zum Kuhstall umgebaute Stallgebäude trägt im Ladeerker eine Platte mit der Inschrift der Erbauer: „D.E.Mente, geb. Schulz Willi Mente Der Sohn 14.11.1921“. Demnach war Dorothe Elisabeth Mente bereits 1921 Witwe. An die Scheune schließt versetzt auf dem Grundstück der ehemalige Hofstelle Nr. 12 ein um 1980 neu erbauter Kuhstall mit einer frei tragenden Vorschauer nach Norden an. Der Ziegelbau mit einer großformatigen Zementfaser-Wellplatten-Eindeckung greift baulich nicht in die Scheune ein. Das inschriftliche Baudatum, „1886“, wird bestätigt durch eine deutliche Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkassenbuch 1864-1911 für den 01.07.1886. Neben einer Scheune mit Stall und Mühlenanbau waren ein Wohnhaus, eine Wagenremise, ein Pferdestall, ein Backhaus und ein „Motorhaus“ (für eine Lokomobile) versichert. Der Mahlgang der einstigen Schrotmühle für Viehfutter befindet sich bis heute an der Nordwestecke innerhalb der Scheune. Sie wurde bis 1967 betrieben. Ein weiterer, geringfügig jüngerer Anbau schließt nach Norden in der Flucht des Ostgiebels an. Dabei handelt es sich um eine überbaute Durchfahrt mit seitlicher Remise in Fachwerk. Das mit roten Hohlziegeln gedeckte Dach greift nach Süden weit unterhalb des Firstes in das Scheunendach. Der Anbau ist in einem vergleichsweise guten Zustand. Der mit Ziegeln ausgemauerte Hauptgiebel der Scheune nach Osten zum Dorfplatz entspricht im Aufbau und den Inschriften dem seit 1840 gängigen Scheunentypus einer Vierständer-Längsdurchfahrtsscheune. Unmittelbar südlich des Scheunentores sind deutlich der Torsturz und die Kopfbänder der ehemaligen Wagenremise zu erkennen. Die Remise wurde im 20. Jh. zuletzt als Stall genutzt. Daher erfolgte an der Südseite auf ca. 5,0 m auch eine massive Erneuerung der Außenwand in Ziegelmauerwerk. Die gängigen und bekannten Inschriften im Ostgiebel sind stark verwittert, aber weitgehend lesbar. Inschrift Ostgiebel Dachbalkenebene: „Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf Ihn allezeit Den wird er wunderbar erhalten in aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, Der hat auf keinen Sand gebaut“. (erste Strophe des Kirchenliedes von Georg Neumark, um 1641, Lüneburgisches Gesangbuch) Inschrift Ostgiebel Kehlbalkenebene: „Sing, Bet und Geh auf Gottes Wegen verricht das Deine nur getreu“ (siebte und letzte Strophe des bekannten Kirchenliedes von Georg Neumark, um 1641, Lüneburgisches Gesangbuch) Auf der einzigen Vollhufnerstelle des Dorfes mit der alten Nr. 1 und der heutigen Nr. 12/13 steht in rundlingstypischer Anordnung am Rand zum ehemaligen Hofwald am hinteren Ende des Hofplatzes auf der Grenze zur benachbarten Hofstelle Nr. 12 die ungewöhnlich lange Vierständer-Längsdurchfahrtsscheune von 1886 (i). Laut Verkoppelungskarte von 1847-50 gehörte die Hofstelle seinerzeit Johann Christoph Schulz. Die Scheune entspricht dem gängigen Typus einer dreischiffigen Fachwerkscheune mit Ausrichtung des Giebels zum Dorfplatz. Die Scheune mit vier tragenden Ständerreihen hat eine Gesamtlänge von 29 m mit 28 Gebinden. Die Abstände zwischen den Ständern betragen rund 1,60 m. Die Mittellängsdurchfahrt mit einem Lehmestrich hat eine lichte Höhe von 3,65 m (Unterkante Dachbalkenlage) sowie eine Breite von 4,95 m. Auf der Südseite befinden sich fast durchgehend abgetrennte Stall- und Bergeräume. Seitlich des Scheunentores ist zur Längsdiele die für diesen traditionellen Scheunentyp übliche Schlupftür angeordnet. Ein Torsturz wurde zwischenzeitlich unter Beibehaltung der inschriftlich datierten Kopfbänder entnommen, um die Durchfahrtshöhe zu maximieren. Um die darauf enthaltene Inschrift nicht zu verlieren, wurde der Torsturz aufgesägt und das dadurch gewonnene Brett mit der Inschrift über der Quereinfahrt von Norden lediglich vorgehängt. Sie enthält die Namen der Bauherren: „Joachim Heinrich Schulz – Dorothee Elisabeth Schulz geb. (Wolters ?)“. Die Datierung findet sich wie üblich auf den höher gesetzten Kopfbändern. Im nördlichen Seitenschiff ist im hinteren Drittel eine bauzeitliche Quereinfahrt angeordnet, was mit der Lage auf dem Hofplatz und der ungewöhnlichen Länge zu erklären ist. Die Scheune ist mit der seinerzeit im späten 19. Jahrhundert stark verbreiteten englischen Schieferdeckung auf Lattung versehen. Einige Bereiche wurden zwischenzeitlich um 1960-70 mit großformatigen Zementfaser-Wellplatten umgedeckt. Am hinteren südwestlichen Ende der Scheune machen sich deutlich Verfallserscheinungen bemerkbar. Dort fehlen ebenso wie an der Nordostecke der Eckständer und das Rähm. Aufgrund von Undichtigkeiten im Dach ist es punktuell zu starken Schäden und Verlusten gekommen. Die Grundsubstanz der Scheune ist überwiegend zu rund 90 % auffallend intakt. Der wenig jüngere Remisen-Anbau in Fachwerk in der Flucht des Ostgiebels greift nicht in die bauliche Struktur der Scheune ein.
- Denkmalbegründung
- Die Scheune steht bautypologisch in der regionalen Bautradition. Sie ist aufgrund ihrer Lage und Firstausrichtung zudem wesentlich für die Struktur des Rundlingsdorfes. Die wenig veränderte, weitgehend bauzeitlich erhaltene Scheune ist einer der letzten Vertreter ihrer Art, bevor um 1900 dieser Bautypus zusammen mit dem Hallenhaus aufgegeben wurde. Nachfolgend wurden nur noch massive Querdurchfahrtsscheunen als Riegel mit verschwenkter Firstlinie errichtet. Die Radialstruktur der Rundlingsdörfer mit giebelständigen Haupthäusern und giebelständigen Scheunen endet also zwischen 1880 und 1910 soweit es sich um Neubauten handelt. Aufgrund der siedlungsgeschichtlichen, bautypologischen und städtebaulichen Bedeutung der Scheune besteht ein öffentliches Erhaltungsinteresse nach § 3(3) NDSchG innerhalb des Rundlingsdorfes Jabel. Die Ausweisung entspricht dem landeseinheitlichen Maßstab und Vergleichsbeispielen in der Region
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61296363 | Rundlingsdorf
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
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