Accouchierhaus
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Göttingen, Stadt
- Gemeinde
- Göttingen
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Göttingen
- Adresse
- Kurze-Geismar-Straße 1
- Objekttyp
- Krankenhausgebäude
- Baujahr
- 1785 - 1791
- Personen
- Borheck, Georg Heinrich
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 279f47e9-886f-4112-b3f9-fbc887737bcb
- System-ID
- #61561572
- ADABweb-ID
- 35869664
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Architektengeneration_1750
- Beschreibung
- Accouchierhaus, erbaut 1785–1791 nach Plänen von Universitätsarchitekt Georg Heinrich Borheck als Königliche Entbindungsanstalt an der Universität Göttingen, an der Stelle eines kleinen Fachwerk-Vorgängerbaus des Hospitals St. Crucis. Dieser Vorgänger war die zweite universitäre Entbindungsanstalt im deutschsprachigen Raum und ist historischer Kern der Göttinger Universitätsmedizin. Mitwirkende an der komplizierten und schließlich vereinfacht ausgeführten Neubauplanung waren der Kasseler Hofrat und Geburtshelfer Georg Wilhelm Stein d.Ä. und der Kasseler Architekturdilettant André de Nerciat. Der Grundentwurf des dreigeschossigen, repräsentativen Gebäudes am südlichen Stadtausgang des Geismartores orientierte sich am barocken Schlossbau als Dreiflügelanlage auf H-förmigem Grundriss mit Corps de Logis und vorgelagerten zweigeschossig-schmalen Seitenflügeln, die zu risalitartigen Stutzflügeln umgeplant wurden. Die Fassaden des verputzten Steinbaus mit Sandstein-Gliederungselementen sind baustilistisch in dem von Borheck „meist gepflegten Gestaltungsidiom eines klassizischen Spätbarock“ (Christian Freigang) gehalten. Hauptblickpunkt ist der dreiachsige Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und Toröffnung, in die Wagen durch das Erdgeschoss hindurch bis zum rückwärtigen Wirtschaftshof fahren konnten. An den beiden äußeren Schmalseiten des Gebäudes gab es wichtige weitere Zugänge mit vorgelagerten, breiten Freitreppen, von denen die nördliche später entfernt wurde. Der eingefriedete Vorgarten vor der Ostfassade diente anfangs als Nutzgarten der Direktorenfamilie. Die ebenfalls repräsentativ ausgebildete, westliche Rückfassade wies zu einem Wirtschaftshof, auf dem sich ein Brunnen sowie kleine Gebäude mit Waschküche und Holzlager befanden. Das Innere des Accouchierhauses war ungewöhnlich großzügig dimensioniert und gestalterisch durchdacht, auch um aus hygienischen Gründen natürliche Belichtung und Belüftung zu gewährleisten. Mittelpunkt und gestalterisches Glanzstück des Gebäudeinnern ist die schon von Zeitgenossen im 18. Jahrhundert bewunderte Eingangshalle mit einem mehrläufigen Treppenhaus und reizvollen Durchblicken. Den Grundriss strukturiert in allen Geschossen über die gesamte Breite je eine durch die Stirnseiten hell belichtete Querhalle. Die Gebäudemitte nimmt ein offener Zentralraum mit einem weiten runden Lichtschacht und Säulenstellungen in klassischer Ordnung ein, in das die geschoßweise versetzten geschwungenen Treppenläufe eingestellt sind. Das Krankenhausgebäude ist im Verlauf seiner Baugeschichte mehrfach angepasst und umgebaut worden. Seit dem Auszug der Entbindungsanstalt von 1896 dient das Gebäude verschiedenen Universitätsinstituten. Die letzte grundlegende Baumaßnahme fand 1985–1989 statt. Dabei wurden nicht nur viele nachträgliche Ein- und Umbauten entfernt, sondern es musste aufgrund starker Setzungen im Innern die alte Substanz der Innenwände und Decken teilweise entfernt werden. Nach dieser durchgreifenden Baumaßnahme sind im Innern noch die zentrale Treppenanlage mit bauzeitlichen Trittstufen sowie im ersten Obergeschoss vereinzelt bauzeitliche und überarbeitete Türen und die Treppe zum Dachgeschoss mit Brettbalustergeländer mit Brettbalustern erhalten. Das Dachwerk ist im Kern ebenfalls bauzeitlich, aber ertüchtigt.
- Denkmalbegründung
- Die Erhaltung des Accouchierhauses liegt aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung besteht im Rahmen der Orts- und Universitätsgeschichte aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für die barocke Bau- und Kunstgeschichte. Das Gebäude zeigt eine beispielhafte Ausprägung des barocken Krankenhaus- und Gebäranstalt-Gebäudetyps und ist insofern ebenfalls bedeutsam für die Medizin- und Sozialgeschichte. Das Accouchierhaus ist auch das Hauptwerk des überregional bekannten Architekten Georg Borheck. Die künstlerische Bedeutung beruht auf den überregional nicht alltäglichen künstlerisch-handwerklichen Gestaltwerten der Fassaden und der bedeutenden Innenraumgestaltung, vor allem des Treppenhauses. Die städtebauliche Bedeutung liegt im stadtbildprägenden Einfluss am südlichen Innenstadteingang, insbesondere für die Straßenbilder von Kurze-Geismar-Straße und Hospitalstraße. Schließlich ist das Accouchierhaus zudem ein wichtiges, wahrzeichenhaftes Element des räumlichen Gefüges im Innenstadtensemble.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS

