IGS Roderbruch
- Landkreis
- Region Hannover
- Samtgemeinde
- Hannover, Landeshauptstadt
- Gemeinde
- Groß-Buchholz
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Groß-Buchholz-Roderbruch
- Adresse
- Rotekreuzstraße 23
- Objekttyp
- Schulanlage
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Wissenschaftliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 17ce0688-aca4-4e19-817c-e142485044d7
- System-ID
- #61765605
- ADABweb-ID
- 53064974
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Integrierten Gesamtschule Roderbruch als große, in mehrere Bauabschnitte und Bauteile gegliederte Anlage bestehend aus einem zentralen, zweigeschossigen Hauptbaukörper (1. Bauabschnitt, Baubeginn 1971) im Nord-Osten des Geländes – konzipiert für etwa 2000 Schüler und bestehend aus einer achtzügigen Sekundarstrufe I und einer sechs- bzw. achtzügigen Sekundarstufe II – zwei Dreifach-Sporthallen (eine davon mit Zuschauertribüne) im Süd-Westen der Anlage, dem straßenbegleitenden Gebäudekomplex (2. Bauabschnitt, Baubeginn 1976) im Nord-Westen des Geländes für die Elementar- und Primarstufe und den dort integrierten Einrichtungen für den Ganztagsbetrieb (Mensa, Jugendclub) sowie für außerschulische Nutzer (Stadtteilbücherei, Mütter- und Jugendberatung). Orthogonal am Straßensystem des ab 1968 entstandenen Stadtteils Roderbruch ausgerichtete, flachgedeckte Bauten. Die Haupterschließung erfolgt gemäß des Entwurfskonzepts von Nord-West aus der Richtung des Stadtteilzentrums. Aufwändig gestaltete Freianlagen umgeben die verschiedenen Baukörper der Schule. Nach der Durchführung eines bundesweit offenen Architekturwettbewerbs im Jahre 1970 vom erstplatzierten Architekturbüro GKK + Partner aus Berlin (Architekten Rainer Greschik, Tilmann Kälberer, Peter Kuhlen, Ulrich Findeisen, Hans Walter Fuhst, Siegfried Vitinius und weitere Mitarbeiter) erbaut. Die Außenanlagen entwarf der Gartenarchitekt Dr. Siegmann (Hannover).
- Denkmalbegründung
- Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Versuche, neue Schulmodelle so auszubilden, dass Kinder aus allen sozialen Schichten gemeinsam erzogen und unterrichtet werden konnten. Das Bildungsniveau sollte gehoben, soziale Trennungen sollten beseitigt und Zugangschancen der Kinder aus „unteren Gesellschaftsschichten“ sollten erheblich verbessert werden. Gleichzeitig sollten Lehrkräfte der bereits vorhandenen, verschieden Schulformen zur gemeinsamen pädagogischen Arbeit zusammengeführt werden. Schüler und Schülerinnen sollten einerseits in einem gemeinsamen Kernunterricht geschult und andererseits in einem ausdifferenzierten „Kurssystem“ gemäß ihres Leistungsvermögens individuell gefördert werden. Erste Ansätze der damals erprobten "Förderklassen" führten später zur Einführung einer schulformunabhängigen "Orientierungsstufe". Konzeptionelle Weiterentwicklungen mündeten dann um 1970 in der Einführung der (integrierten) Gesamtschulen. Zumindest die Planungsphase der IGS Roderbruch fällt in die Zeit der nach dem Zweiten Weltkrieg stark angestiegenen Geburtenzahlen, welche 1964 ihren Höchststand erreichten, und der (Reform-)Debatte um „Die Deutsche Bildungskatastrophe“, eines vor allem im gleichnamigen Buch des Autors Georg Picht im Jahre 1964 beschworenen Notstandes im Bereich des bundesdeutschen Bildungswesens. Picht sah unter anderem die dringende Notwenigkeit, die Schülerzahlen vor allem in den höheren Ausbildungsstufen zu erhöhen, um die politische wie wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der Bundesrepublik sicherzustellen. Die Zahl der Akademiker war hierfür beispielsweise durch Abschaffung der voneinander getrennten Schularten und die Öffnung der Hochschulen für „Nichtabiturienten“ zu erhöhen. Unter den drei in der Stadt Hannover vorhandenen integrierten Gesamtschulen nimmt die IGS Roderbruch eine Sonderstellung ein: Es handelt sich hier um die erste Gesamtschule, die komplett in einem Neubau untergebracht worden ist. Bei der Planung ab 1969/1970 musste der Schulträger, die Landeshauptstadt Hannover, die pädagogischen Zielvorstellungen und finanziellen Möglichkeiten in Einklang bringen. Einer sogenannten „Fachbereichsorganisation“ wurde gegenüber einer fein verästelten sogenannten „Stammgruppenorganisation“ der Verzug gegeben und die Schule stärker ausgelastet. Weiterhin wurden zwei Bauabschnitte gebildet, was sich entsprechend der ursprünglichen Gesamtkonzeption bis zur Gesamtfertigstellung anfangs negativ auf die Nutzbarkeit auswirkte. Radikal neu war hier, bei der entsprechenden Gebäudetiefe und Kompaktheit des ersten Bauabschnittes, der großflächige Verzicht auf eine natürliche Belichtung der Innenraumzonen und ein nahezu gänzlicher Verzicht auf die natürliche Belüftung der Räume. Sachverhalte, die den Nutzern in der ersten Phase nach Bezug der Schule ab 1973 ein erhebliches Anpassungsvermögen abverlangt haben. Trotz bereits frühzeitig erfolgter baulichen Anpassung kann der Bau heute noch als besonders sprechendes Beispiel einer idealtypisch wie selten ausgeführten Schule der 1970er Jahre im Bereich des Landes Niedersachen, die im Kontext der genannten damaligen bildungs-, gesellschafts- wie baupolitischen Diskussionen entstanden ist, bezeichnet werden. Das Objekt findet sich auf der „Vorschlagsliste schützenswerter Bauten und Anlagen “ der Architektenkammer Niedersachsen (2007) und wurde daher später im Rahmen des „NQ-Projekts 1960+“ in den Jahren 2026-17, als Vorarbeit für eine spätere denkmalfachliche Entscheidung, begutachtet und zur Aufnahme in das Verzeichnis der Kulturdenkmale empfohlen. In der Ausprägung der Bauaufgabe und -form bespielhaft und mit einem hohen Aussage- und Zeugniswert aufgrund des guten Überlieferungszustandes, besteht an der Erhaltung der IGS als bedeutende Vertreterin der Architektur der Spätmoderne in Niedersachsen daher aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung für die Landesgeschichte als wichtiger Baustein der Schulbaugeschichte in Niedersachsen, weiterhin aufgrund des Zeugniswerts für die Siedlungsgeschichte und die Sozialgeschichte der Stadt Hannover als erster Schulbau, in dem der gemeinsame Unterricht köperbehinderter und nicht körperbehinderter Schülerinnen und Schuler baulich wie strukturell ermöglicht wurde, zudem für die Bau- und Konstruktionstechnikgeschichte wegen der beispielhaften Ausprägung eines Baustils, einer Bautechnik und eines Gebäudetypus, ebenso als Werk lokal und überregional bekannter Architekten, aufgrund ihrer wissenschaftlichen Bedeutung wegen des Seltenheitswertes sowie aufgrund ihrer städtebaulichen Bedeutung, mit prägendem Einfluss auf das Orts- und Straßenbild, ein öffentliches Interesse.
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

