Katholische Kirche St. Michael
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Adresse
- Kirchstraße 27
- Objekttyp
- Kirche
- Baujahr
- 1775
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 15e85eff-8210-40e9-990a-547fd1d2bc0d
- System-ID
- #61540725
- ADABweb-ID
- 35661965
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Leer_Altstadt
- Beschreibung
- Schlichter Saalbau mit Walmdach, der Chor nach Süden ausgerichtet, die Backsteinfassaden durch Lisenen und rundbogige Fenster regelmäßig gegliedert. Die dreiachsige Nordfassade in der Bauflucht der Kirchstraße stehend, in der Mittelachse Rundbogenportal mit Sandsteinrahmung, Eingangstür zurückliegend über drei Stufen zu erreichen, über dem Portal Kartusche mit Inschrift „EX SpeCIaLI gratIa FrIDerICI MagnI BorVssIae RegIs posIta“, die als Chronogramm das Baujahr 1775 angibt, darüber ein Sandsteinrelief, das den Erzengel Michael mit dem Drachen zeigt, seitlich je ein rundbogiges Fenster mit Putzfasche, Fensterbank und Schlussstein aus Sandstein. Über einem profilierten Traufgesims aus Ziegelformsteinen Vollwalm, wobei sich die Mittelachse als Turm fortsetzt und oberhalb des Kirchenschiffdaches in ein oktogonales Glockengeschoss mit rundbogigen Schallöffnungen übergeht, abschließend über hell gefasstem Traufprofil kleiner, verschieferter Spitzhelm von vergoldeter Turmzier bekrönt. Die Ostfassade zum Patersgang durch Lisenen in neun Wandfelder geteilt, die sieben mittigen Felder mit rundbogigen Fensteröffnungen. Nach Süden zum Garten fünfachsige, zweigeschossige Wohnhausfassade mit mittiger Tür, hochrechteckigen Schiebefenstern in Blockrahmen und Ladeluke im Vollwalm. Der Pfarrgarten zum Patersgang mit Backsteinmauer eingefriedet. Nach Westen Anbauten von 1951 in traditioneller Architektur mit Backsteinfassaden, Holzsprossenfenstern und Walmdach, an der Kirchstraße zweigeschossig mit Lisenen und Traufgesims gemäß Altbau, dahinter nach Süden seitenschiffartige Erweiterung mit moderner Glasfassade unter abgeschlepptem Dach sowie in der Bauflucht der Sakristei eingeschossiger Gemeindehausanbau. Im Inneren ein schlichter, heute modern gestalteter Kirchensaal mit kassettierter Flachdecke, wenige historische Ausstattungsstücke, so eine Madonna aus den 1720er Jahren aus der Vorgängerkirche, nach Norden Orgelempore, nach Süden grade abschließende Altarwand, dahinter noch eine Raumachse mit Sakristei, im westlichen Anbau Eingangsbereich und Gedenkraum. Die Kirche St. Michael wurde im Jahr 1775 erbaut und 1951 nach Westen erweitert, 1962, 1978 und 2015 erfolgten Veränderungen und Neugestaltungen im Kircheninnenraum.
- Denkmalbegründung
- Nach der Reformation siedelten sich im Laufe des 17. Jahrhunderts wieder Katholiken in Ostfriesland an, deren Seelsorge ab 1632 von Jesuiten aus Meppen und ab 1667 von Franziskanern übernommen wurde, die hierzu 1679 das Kloster in Aschendorf gründeten. Unterstützt wurde die katholische Mission von dem münsterschen Fürstbischof Ferdinand von Bayern. Die Stationierung einer Salvegarde (kaiserliche Schutztruppe) in Leer im Jahr 1678 zur Befriedung der Auseinandersetzungen zwischen den ostfriesischen Ständen und dem Fürstenhaus beförderte schließlich die Bildung einer katholischen Gemeinde, da die Angehörigen der Garde überwiegend Katholiken waren. Die Gemeinde wuchs stetig und kaufte im Jahr 1719 ein Haus an der Kirchstraße. 1725 konnte der Kommandeur der Salvegarde Ernst F. von Höfflinger beim ostfriesischen Fürsten Georg Albrecht die Zusage für den Bau einer Kapelle auf dem Grundstück erreichen. Diese Zusage wurde aufgrund des Protests der benachbarten lutherischen Kirchengemeinde zunächst zurückgenommen, im Jahr 1728 dann aber doch bestätigt, so dass eine katholische Kirche errichtet werden konnte. Nach Übernahme des Fürstentums Ostfriesland durch Preußen 1744 wurde den Katholiken die freie Religionsausübung in Leer gestattet. Die weiter anwachsende Gemeinde stellte 1767 einen Antrag auf Erweiterung des Kirchengebäudes und den Bau eines Glockenturmes, wogegen die lutherische Gemeinde aufgrund des geringen Abstandes zur Lutherkirche erneut protestierte. Nahegelegt wurde den Katholiken ein weiter entfernt liegendes Baugrundstück, um Zwistigkeiten zu beenden. Nach Verzögerungen genehmigte der preußische König am 2. Januar 1775 am bestehenden Standort den Kirchenneubau mit Turm, der nach zügigem Baufortschritt bereits am 15. Dezember 1775 eingeweiht werden konnte. Die Bauplanung örtlicher Zimmer- und Maurermeister wurde korrigiert durch den Hofschreiner Wilhelm Weber, einem Mitarbeiter des münsterschen Baumeisters Johann Conrad Schlaun. So ähnelte der Glockenturm von St. Michael dem Turm der Kirche im emsländischen Wahn (heute nicht mehr vorhanden), die nach einem Entwurf Schlauns errichtet wurde. Insgesamt handelt es sich um einen schlichten Saalbau unter Walmdach, die Backsteinfassaden sind durch Lisenen und rundbogige Fenster regelmäßig gegliedert. In der Mittelachse des Turmes führt von der Kirchstraße das rundbogige Hauptportal in den Kirchensaal. Da sich hinter der gerade abschließenden Altarwand noch die Sakristei und ehemals Räume der Pfarrwohnung befinden, zeigt der Kirchenbau nach Süden zum Pfarrgarten eine zweigeschossige Wohnhausfassade. Für die 1681 gegründete katholische Schule kaufte die Kirchengemeinde 1804 das unmittelbar westlich von St. Michael an der Kirchstraße 29 stehende lutherische Pastorat. 1833 wurde dahinter ein neues Gebäude mit zwei Schulsälen errichtet, das Haus an der Kirchstraße wurde noch als Lehrerwohnung genutzt und erst 1885 abgebrochen, um den Schulhof zu vergrößern. 1824 wurde St. Michael eine eigene Pfarrei. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen wuchs die katholische Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. 1951 wurde die Kirche St. Michael nach einem Entwurf des Osnabrücker Architekten Feldwisch-Dentrup nach Westen erweitert und anstelle des Schulgebäudes ein Gemeindehaus angebaut. Zwischen der Kirche, dem hinteren Gemeindehausanbau sowie dem Gebäude Kirchstraße 31 verblieb somit eine kleine Freifläche vor dem neuen Westeingang der Kirche. Im Jahr 1962 wurde die Altarwand um eine Fassadenachse nach Süden versetzt, so dass die südlich an das Kirchschiff angesetzte ehemalige Pfarrwohnung auf eine Achse für die Sakristei reduziert wurde. 1978 und 2014/15 erfolgten grundlegende Instandsetzungen und Neugestaltungen des Kircheninnenraumes. Die katholische Pfarrkirche St. Michael an der Kirchstraße in Leer ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts-, Stadtbau- und Siedlungsgeschichte sowie der örtlichen Religionsgeschichte. Ferner ist der Kirchenbau von baugeschichtlicher Bedeutung aufgrund des Anschauungswertes als beispielhafter Kirchenbau einer katholischen Diasporagemeinde aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wobei die angepassten Anbauten von 1951 den traditionellen Architekturansatz der frühen Nachkriegszeit dokumentieren. Durch die Größe des Kirchengebäudes sowie den an der Kirchstraße stehenden Glockenturm prägt St. Michael das Straßen- und Stadtbild und ist damit von städtebaulicher Bedeutung, so dass ein öffentliches Erhaltungsinteresse besteht.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61769045 | Altstadt (Baukomplex)
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

