Wörde/ Norderstraße
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Leer
- Objekttyp
- Altstadt (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 14f89e2c-f8f6-4f60-8730-596abb70d6f7
- System-ID
- #61752559
- ADABweb-ID
- 48392978
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Leer_Altstadt
- Beschreibung
- Das Altstadtquartier Wörde/ Norderstraße am Handelshafen im nordöstlichen Bereich der Altstadt von Leer zeigt einen weitgehend geschlossenen, historischen Baubestand auf alter Parzellenstruktur mit überkommenen Straßen- und Freiräumen. Östlich und parallel zur Brunnenstraße, einer Hauptgeschäftsstraße der historischen Innenstadt, verlaufen die Norderstraße und die Wörde, im Norden abzweigend von der Mühlenstraße (ehem. Osterstraße) nach Süden bis zur Faldernstraße, die in Ost-West-Richtung quer verlaufend über die schmale Hellingstraße und den Wilhelminengang den Anschluss an die Rathausstraße herstellt. Die vorhandene Baustruktur entlang der Wörde, der Norder- und Faldernstraße ist noch heute wesentlich durch die historische Parzellierung bestimmt. Die schmalen Grundstücke an der Ostseite der Wörde reichen bis an den Hafenanleger. Die Grundstücke des schmalen Baublocks zwischen der Wörde und der westlich nahezu parallel verlaufenden Norderstraße waren einst von Straße zu Straße durchgehend und wurden vielfach erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts getrennt. Der historische Baubestand ist aufgrund der geschichtlichen und städtebaulichen Entwicklung recht heterogen. Auf der Ostseite der Wörde, zum Hafen gelegen, prägen stattliche Bürgerhäuser der Kaufmannsfamilien und großvolumige Packhäuser das Straßen- und Ortsbild. In diesem Kontext stehen auch die ehemaligen Wohn-Packhäuser an der Faldernstraße 5 und 6, wobei Faldernstraße 5 bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem reinen Wohnhaus umgebaut wurde. Dem gegenüber stehen auf der westlichen Straßenseite der Wörde vorrangig kleinere Wohnhäuser, die in der Regel von Handwerkern gebaut und bewohnt wurden – belegt sind z. B. Maler, Schmiede sowie mehrere Schuhmacherfamilien. Bis weit ins 18. Jahrhundert sind eingeschossige, trauf- oder giebelständige Häuser anzunehmen, wie sie vielfach in der Altstadt von Leer erhalten sind. Das zweigeschossige Amtsgericht Wörde 5 aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts ist als ehemals adeliges Anwesen der Familie von Rheden singulär zu betrachten. Beispielgebende Bürgerhäuser sind Wörde 31, das wohl älteste Gebäude im Straßenzug aus dem 17. Jahrhundert, oder Wörde 42. Die Gebäude Wörde 12, 14 und Norderstraße 33 vermitteln noch anschaulich den Bautyp des kleinbürgerlichen Handwerkerhauses, in der Grundstruktur auch Wörde 4, 24 und 46. Die Baugruppe Norderstraße 7, 9, 11 sowie die eingeschossigen, traufständigen Häuser Wörde 28 und 30, im Ursprung wohl auch Wörde 22, dokumentieren mit nur zwei oder drei Fassadenachsen den kleinsten Bautyp eines einfachen städtischen Handwerker-/ Arbeiterhauses in Leer. Wohl erst im 19. Jahrhundert entstehen zweigeschossige Gebäude durch Aufstockung (Wörde 7, 22, 23; vermutl. auch Wörde 2, 16, 32) oder entsprechende Neubauten mit zeittypisch schlichten Putzfassaden bzw. ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch ziegelsichtig (u. a. Wörde 9, 15, 19, 20, 21, Faldernstraße 6). Die Entwicklung zur Geschäftsstraße in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt sich durch den Neubau von zweigeschossigen, teils großvolumigen Wohn-/ Geschäftshäusern (Wörde 8, 20, 32, 34/36, Hotelbau Wörde 10) in spätklassizistischen oder historistischen Gestaltungsformen. Als bauliches Zeugnis des Seehandels sowie der Mechanisierung und Industrialisierung sind die großen Packhäuser (Wörde 27, 29, Norderstraße 27) und Werkstattgebäude (Wörde 40, 44, Norderstraße 29, 31) zu nennen, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts teils schlicht-funktional (Norderstraße), teils repräsentativ (Wörde) in Ziegelmauerwerk errichtet wurden.
- Denkmalbegründung
- Das Altstadtquartier Wörde/ Norderstraße dokumentiert die städtebauliche Entwicklung der nordöstlichen Altstadt von Leer vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Entstanden sind diese Straßenzüge wohl um 1600, nachdem sich der Marktflecken Leer mit zunehmender Bedeutung von Handel und Schifffahrt im 16. Jahrhundert vom ältesten Siedlungskern im Bereich „Kaakspütte/ Alte Marktstraße“ nach Osten zum Ufer der Leda entwickelt hatte. Manifestiert wurde diese Verschiebung des Ortskernes letztendlich Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Verlegung der Waage, die sich zuvor im Turm der ehem. Kirche St. Liudger befunden hatte, sowie des Marktplatzes zum heutigen Standort am Ledaufer. Dabei beschreibt der Straßenname Wörde, eine niederdeutsche Bezeichnung für „Hohes Ufer“, die günstige, hochwassergeschützte Lage. Nach der Übernahme des Fürstentums Ostfrieslands 1744 durch das Königreich Preußen und der schrittweisen Einschränkung des Emder Stapelrechtes nahm Leer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiterhin eine positive wirtschaftliche Entwicklung und wurde zum bedeutenden Seehafen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts markierte die Straßenkreuzung Wörde/ Mühlenstraße den nordöstlichen Rand des Marktfleckens (seit 1823 Stadt Leer). Im Laufe des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Anschluss an die Hannoversche Westbahn 1854 und der Eröffnung des Bahnhofes, erfolgte die Stadtentwicklung über die Mühlenstraße weiter nach Osten und die Wörde gewann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Geschäftsstraße Bedeutung. Mit dem Bau der neuen Hafenanlagen 1901-1903 und der Seeschleuse entstand ein tideunabhängiges Hafenbecken auch für die Anlieger der Wörde. Die vorhandene Baustruktur entlang der Wörde, Norder- und Faldernstraße ist noch heute wesentlich durch die historische Parzellierung bestimmt. Wie auch an der Neuen Straße, der südlichen Rathausstraße und dem Wilhelminengang reichen die schmalen Grundstücke an der Ostseite der Wörde bis an den Hafenanleger. Doch während in anderen Siel- und Seestädten Ostfrieslands repräsentative Fassaden die Ortsansicht am Hafen prägen, stehen in Leer die Kaufmanns- und Packhäuser mit der Rückseite zum Anleger. Dieser Umstand wird bereits von Onno Klopp 1858 in der Publikation Geschichte Ostfrieslands 1744-1815 - die Bauart von Leer beklagt: „Aber die Häuser schauten nicht, wie in Emden, mit der Vorderseite auf den Hafen, und ließen nicht am Ufer des Stromes einen breiten Raum zum Aus- und Einladen, wie es einer Seestadt geziemt. Vielmehr kehrten die Wohnungen gleichsam verzichtend der belebenden Pulsader des Stromes sämtlich den Rücken, […]“. Der schmale Baublock zwischen der Wörde und der westlich nahezu parallel verlaufenden Norderstraße lässt noch heute anhand der Parzellierung erkennen, dass die Grundstücke einst von Straße zu Straße durchgehend waren. Vielfach wurden die Parzellen erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts getrennt. An der Norderstraße, die noch bis 1905 auch als „Dreckstraate“ bezeichnet wurde, standen somit an der Ostseite häufig Neben- und Hintergebäude im Zusammenhang mit der Bebauung an der Wörde. Anschaulich ist dies im südlichen Anschnitt mit den ehemaligen Lager- und Werkstattgebäuden Norderstraße 27, 29 und 31 erhalten, die noch im 20. Jahrhundert zu den Haupthäusern an der Wörde 36, 38 und 42 gehörten. Norderstraße 9 war Teil der Parzelle Wörde 14 und mit einem Hinterhaus bebaut. Das Haus Faldernstraße 6, das den Baublock auf dem Eckgrundstück Faldernstraße/ Norderstraße nach Süden abschließt, weist mit der Hauptfassade zur südlich liegenden Mennonitenkirche, während an der Norderstraße mit Hinterhaus, Ladeluke und reduzierter Gestaltung die untergeordnete Bedeutung dieses Straßenzuges deutlich wird. Das zweigeschossige Wohnhaus an der Faldernstraße 5, das durch das grioße Gebäudevolumen und die bachsteinsichtigen Westgiebel noch den ursprünglichen Bautyp des Wohn-Packhauses erkennen lässt, steht riegelartig in der Blickachse der Wörde und bildet den städtebaulichen Abschluss des Straßenzuges nach Süden. Das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Altstadtquartier Wörde/ Norderstraße als Gruppe baulichen Anlagen begründet sich durch die besonderen geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutungen. Der historische Gebäudebestand auf historischer Parzellierung dokumentiert aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes durch die beispielhafte Ausprägung unterschiedlicher Gebäudetypen und Baustile die Orts- und Stadtbaugeschichte in den einzelnen Entwicklungsphasen. Durch die Verschiedenartigkeit der Bauten von Bürgertum, Handwerkern und Arbeitern wird die soziale Differenzierung der städtischen Gesellschaft innerhalb dieses Altstadtquartiers anschaulich und nachvollziehbar. Neben den Wohnhäusern finden sich zahlreiche Ökonomiegebäude, die ein bauliches Zeugnis der Wirtschaftsgeschichte der Stadt Leer darstellen. In Bezug zur Wörde und Faldernstraße wird die einst untergeordnete Bedeutung des nördlichen Anschnittes der Norderstraße deutlich. Das Altstadtquartier Wörde/ Norderstraße stellt in seiner räumlich-funktionalen Gesamtheit mit der historisch überkommenen Stadt- und Baustruktur von geschichtlicher Bedeutung für die Orts-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie ein anschauliches Zeugnis der Siedlungs- und Stadtbaugeschichte dar und hat aufgrund der prägenden Wirkung auf das Stadtbild eine städtebauliche Bedeutung.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61540473 | Wohnhaus | Norderstraße 7
61540561 | Wohnhaus | Norderstraße 9
61540562 | Wohnhaus | Norderstraße 11
61540732 | Packhaus | Wörde 27
61540733 | Werkstattgebäude | Wörde 40
61540752 | Wohn-/Geschäftshaus | Wörde 34
61540785 | Wohnhaus | Wörde 7
61540786 | Wohnhaus | Wörde 9
61540787 | Wohnhaus | Wörde 11
61540788 | Wohnhaus | Wörde 15
61540789 | Wohnhaus | Wörde 19
61540790 | Wohnhaus | Wörde 42
61540791 | Wohnhaus | Wörde 31
61540792 | Wohnhaus | Wörde 33
61752560 | Wohnhaus | Wörde 46
61752563 | Werkstattgebäude | Wörde 44
61752565 | Wohnhaus | Wörde 36
61752566 | Wohnhaus | Wörde 32
61752567 | Wohnhaus | Wörde 30
61752568 | Wohnhaus | Wörde 28
61752572 | Wohnhaus | Wörde 2
61752573 | Wohnhaus | Wörde 4
61752575 | Wohn-/Geschäftshaus | Wörde 8
61752576 | Gasthof | Wörde 10
61752579 | Wohnhaus | Wörde 12
61752580 | Wohnhaus | Wörde 14
61752581 | Wohnhaus | Wörde 16
61752584 | Wohn-/Geschäftshaus | Wörde 20
61752586 | Wohnhaus | Wörde 22
61752587 | Wohnhaus | Wörde 24
61752606 | Packhaus | Norderstraße 27
61752607 | Werkstattgebäude | Norderstraße 29
61752608 | Maschinenhaus | Norderstraße 31
61752609 | Wohnhaus | Norderstraße 33
61752610 | Wohn-/Geschäftshaus | Faldernstraße 6
61752625 | Wohnhaus | Wörde 23
61752626 | Wohnhaus | Wörde 21
61752723 | Packhaus | Wörde 29
61777220 | Wohnhaus | Faldernstraße 5
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

