Brunnenstraße
Brunnenstraße 23, 25, 27, Blick nach Norden (2026)
Brunnenstraße 9, 11, 13, Blick nach Norden (2025)
Brunnenstraße 19, 21 (2025)
Brunnenstraße 18, 20, 22, Blick nach Norden (2022)
Brunnenstraße 33, 35, 37 (2026)
Reformierter Kirchgang, Blick von der Brunnenstraße nach Westen auf den Turm der Großen Kirche (2025)
- Landkreis
- Leer
- Samtgemeinde
- Leer (Ostfriesland), Stadt
- Gemeinde
- Leer
- Objekttyp
- Altstadt (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 0aa8a120-f1f2-4b8b-83b6-7120091b4913
- System-ID
- #61540287
- ADABweb-ID
- 35649334
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die Brunnenstraße ist eine Geschäftsstraße in zentraler Lage in der Altstadt von Leer. Ausgehend von dem Straßenzug Rathaus-/Kirchstraße führt die Brunnenstraße nach Norden und stellt die Verbindung zur Mühlenstraße her, die in Fortsetzung des Harderwykensteges nach Osten zum Bahnhof führt. Nördlich der platzartig aufgeweiteten Straßenkreuzung setzt sich der Straßenzug der Brunnenstraße über die Heisfelder Straße nach Norden fort. Die Brunnenstraße zeigt einen geschlossenen Straßenraum mit abwechslungsreichem Baubestand. Auf der westlichen Seite hat sich von Hausnummer 9 bis 39 eine historische Straßenzeile erhalten, wobei zwischen den Hausnummern 17 und 19 der Reformierte Kirchgang nach Westen abzweigt. Auf schmalen Grundstücksparzellen reihen sich ein- bis zweigeschossige, vorrangig giebelständige Häuser aneinander, die teils mit einem älteren Gebäudekern verputzte Fassaden aus dem 19. Jahrhundert in klassizistischen und historistischen Stilformen zeigen. Im südlichen Abschnitt vermitteln die Handwerkerhäuser Brunnenstraße 9, 11 und 13 noch einen kleinstädtischen Charakter von vor 1850. Die Löwenapotheke an der Brunnenstraße 19 präsentiert an der Straßenecke zum Reformierten Kirchengang eine aufwändige Fassadengestaltung im Stil der englischen Neugotik. Rückseitig nach Westen schließen sich ein Hinterhaus und ein Ökonomieflügel mit eingefriedetem Hof an, die zusammen mit dem gegenüberliegenden Haus Brunnenstraße 17 und dem Wohnhaus am Reformierten Kirchgang 1 die schmale Gasse räumlich einfassen. Vereinzelt wurden Parzellen im späten 19. Jahrhundert zu größeren Grundstücken zusammengelegt und mit Wohn- und Geschäftshäusern neu bebaut, so an der Brunnenstraße 29 und 31. An der Ecke Harderwykensteg/ Brunnenstraße wurde 1909 ein dreigeschossiges Kaufhaus mit stringent gegliederter Putzfassade errichtet, das von der historischen Straßenflucht abrückt und damit der Anfang des 20. Jahrhunderts von der Stadt Leer festgelegten Fluchtlinienplanung folgt. Auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite der Brunnenstraße stehen auf größeren Grundstücken, die teils bis an die Norderstraße reichen, zwei- bis dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser. Die Gebäude Brunnenstraße 18 und 22 dokumentieren mit zwei Vollgeschossen und abgewalmtem Dach den Bautyp des spätklassizistischen Bürgerhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. An der Brunnenstraße 20, 28 und 30 stehen große Wohn- und Geschäftshäuser, wobei Nr. 20 mit einer Backsteinfassade im Stil der Hannoverschen Schule und Nr. 30 mit spätklassizistischer Putzfassade gestaltet sind. Das dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus Brunnenstraße 28 aus dem Jahr 1907 zeigt eine Putzfassade mit barockisierender Jugendstilornamentik und steht gemäß der neuen Fluchtlinienplanung etwas hinter der historischen Bauflucht. In zweiter Reihe hat sich an der Brunnenstraße 24 ein Packhaus von 1803 erhalten, das beispielhaft die Hinterbebauung der einstigen Kaufmannsanwesen dokumentiert. Die mittige Fahrspur der Brunnenstraße, die von gestutzten Bäumen gesäumt wird, und der Reformierte Kirchgang sind mit Natursteinpflaster befestigt, nur der südliche Abschnitt der Brunnenstraße zeigt ein Ziegelpflaster. Die Bürgersteige sind durchgehend mit Ziegelsteinen belegt.
- Denkmalbegründung
- Der älteste Siedlungskern von Leer entwickelte sich im Bereich Kaakspütte/ Alte Marktstraße. Am westlichen Ortsrand lag die Kirche St. Liudger, von der sich nur die um 1200 in Steinbauweise errichtete Krypta auf dem reformierten Friedhof erhalten hat. Mit zunehmender Bedeutung von Handel und Schifffahrt entwickelte sich der Marktflecken im 15. und 16. Jahrhundert zunehmend nach Südosten bis ans Ufer der Leda, wo sich am Anleger der neue Marktplatz etablierte. Manifestiert wurde diese Verschiebung des Ortskernes Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Verlegung der Waage, die sich zuvor im Turm der Liudgerkirche befunden hatte. Nach der Übernahme des Fürstentums Ostfrieslands 1744 durch das Königreich Preußen und der schrittweisen Einschränkung des Emder Stapelrechtes nahm Leer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiterhin eine positive wirtschaftliche Entwicklung und wurde zum bedeutenden Seehafen. Im Jahr 1823 erhielt Leer die Stadtrechte und im Laufe des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Anschluss an die Hannoversche Westbahn 1854, erfolgte die Stadtentwicklung über die Brunnen- und Mühlenstraße weiter nach Osten zum Bahnhof, wo gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshäuser entstanden. Die Brunnenstraße stellt die Verbindung zwischen dem zentralen Altstadtbereich von Rathausstraße/ Waageplatz und der Mühlenstraße her, die nach Osten zum Bahnhof führt und heute mit der Fußgängerzone die Hauptgeschäftsstraße der Innenstadt darstellt. Als einer der ältesten Straßenzüge in der Leeraner Altstadt war die Brunnenstraße bereits auf historischen Stadtkarten des 17. Jahrhunderts verzeichnet und im 18. Jahrhundert weitgehend bebaut. Die historische Straßenbezeichnung „Tüschen beide Pütten“ (Zwischen beiden Brunnen) leitete sich von zwei öffentlichen Brunnen ab, die bis 1905 zur Wasserversorgung der Stadtbevölkerung an den platzartig aufgeweiteten Straßenkreuzungen von Rathaus-/ Kirch-/ Brunnenstraße sowie Harderwykensteg/ Mühlen-/ Brunnen- und Heisfelder Straße standen. Der Straßenzug war von Anbeginn von Bedeutung für den Handel und Wohnort für Handwerker- und Kaufmannsfamilien. Um 1900 zählte die Brunnenstraße zu den wichtigsten Geschäftsstraßen der Stadt und büßte erst mit der Verschiebung des Geschäftszentrums in die östliche Mühlenstraße im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung ein. Durch diese Randlage war die Brunnenstraße jedoch weniger von Baumaßnahmen, Abbrüchen und Neubauten betroffen, so dass sich insgesamt ein weitgehend geschlossenes, historisches Straßenbild erhalten hat. Auf der westlichen Straßenseite reihen sich auf schmalen Grundstücksparzellen ein- bis zweigeschossige, vorrangig giebelständige Häuser aneinander. Teils hat sich ein älterer Gebäudekern aus dem 17. oder 18. Jahrhundert erhalten (Brunnenstraße 15, 23, 25, 27, 33, 37), wobei die Straßenansichten überformt und wie die Neubauten des 19. Jahrhunderts Putzfassaden in klassizistischen und historistischen Stilformen zeigen. Im südlichen Abschnitt vermittelt die Gruppe der eingeschossigen Handwerkerhäuser Brunnenstraße 9, 11 und 13 noch einen kleinstädtischen Charakter aus vorindustrieller Zeit. Zwischen den Hausnummern 17 und 19 zweigt nach Westen der Reformierte Kirchgang ab, wobei die Löwenapotheke von 1870-1873 an der Straßenecke Brunnenstraße 19 eine bemerkenswerte Fassadengestaltung im Stil der englischen Neugotik präsentiert (vgl. Weener, Norderstraße 18 und Neue Straße 12). Rückseitig nach Westen schließen sich ein Hinterhaus und ein Ökonomieflügel mit eingefriedetem Hof an, die zusammen mit dem gegenüberliegenden Haus Brunnenstraße 17 und dem Wohnhaus am Reformierten Kirchgang 1 die schmale, kopfsteingepflasterte Gasse städtebaulich einfassen, so dass sich ein malerischer Blick auf den Turm der Großen Kirche eröffnet. Im späten 19. Jahrhundert wurden jeweils zwei schmale Parzellen zu einem größeren Grundstück zusammengelegt und mit Wohn- und Geschäftshäusern mit historistischen Stuckfassaden neu bebaut (Brunnenstraße 29, 31). An der Brunnenstraße 33, 35 und 37 folgen drei giebelständige Häuser von einheitlicher Wirkung, wobei das Haus Brunnenstraße 37 das Stammhaus der 1806 gegründeten Firma J. Bünting & Comp. ist. Den Abschluss der westlichen Straßenzeile bildet ein dreigeschossiges Kaufhaus, das 1909 nach Planung des Architekten Karl Rummel aus Hagen in zeittypischer Warenhausarchitektur neu errichtet wurde. Aufgrund der neuen Fluchtlinienplanung der Stadt Leer aus dem frühen 20. Jahrhundert steht das Kaufhaus abgerückt von der historischen Straßenflucht. Auf der östlichen Seite der Brunnenstraße stehen auf größeren Grundstücken zwei- bis dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser. Die Gebäude Brunnenstraße 18 und 22 dokumentieren mit zwei Vollgeschossen und abgewalmtem Dach trotz baulicher Veränderungen anschaulich den Bautyp des spätklassizistischen Bürgerhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie er auch noch an der Brunnenstraße 6 oder Rathausstraße 16 zu sehen ist. An der Brunnenstraße 20 steht ein zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus aus dem späten 19. Jahrhundert, das eine mehrfarbige Backsteinfassade im Stil der Hannoverschen Schule und im Erdgeschoss noch eine historische Schaufensterfassade mit gusseisernen Säulen aufweist. Das etwas hinter der historischen Bauflucht stehende Gebäude Brunnenstraße 28 wurde 1907 mit Putzfassade im Jugendstil errichtet und war Sitz der 1840 gegründeten Buchdruckerei „D. H. Zopfs & Sohn“, die seit 1848 das Leerer Anzeigeblatt herausgab. Zusammen mit dem nördlich anschließenden Wohn- und Geschäftshaus Brunnenstraße 30, das 1878 mit spätklassizistischer Fassade gebaut wurde, zeigt sich eine straßenbildprägende Wirkung. An der Brunnenstraße 24 hat sich auf dem hinteren Teil des Grundstückes ein zweigeschossiges Packhaus von 1803 erhalten, das beispielhaft für die einst zahlreichen Neben-, Werkstatt- und Wirtschaftsgebäude steht, die auf den regelmäßig bis an die Norderstraße reichenden Grundstücken vorhanden waren (vgl. Brunnenstraße 6/ Norderstraße 34). In den 1960er Jahren plante die Stadt eine Flächensanierung in der Altstadt, um städtebaulichen Missständen zu begegnen. Die ersten durchgeführten Maßnahmen am Westerende, Veränderungssperren, Abbrüche und der Bau von maßstabslosen Gebäuden führten zu einem erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und im Juli 1973 zur Gründung der Bürgerinitiative „Altstadtsanierung Leer“. Der öffentlichkeitswirksame Protest begründete letztendlich im Laufe des Jahres 1974 ein Umdenken bei den politischen Entscheidungsträgern, und anstelle der Flächensanierung erfolgten objektbezogene Erneuerungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Dabei wurden teils unmaßstäbliche Schaufensteranlagen denkmalgerecht rückgebaut (Brunnenstraße 9, 21, 22, 25) oder auch nach historischer Vorlage rekonstruiert (Brunnenstraße 19, 28). Der Abbruch der Altstadthäuser Mühlenstraße 1 bis 9 und die großflächige, viergeschossige Neubebauung in zeittypischer Betonarchitektur durch die Kleemann AG konnte jedoch nicht verhindert werden, und so steht der Kleemann-Bau seither in der Blickachse der Brunnenstraße. Die Gruppe „Brunnenstraße“ ist von geschichtlicher Bedeutung im Rahmen der Orts-, Siedlungs- und Stadtbaugeschichte von Leer. Der historische, heterogene Baubestand auf alter Parzellierung dokumentiert die städtebauliche Entwicklung und regionale Baugeschichte vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Durch die Verlagerung des Hauptgeschäftszentrums und die Erfolge der Stadtsanierung seit Mitte der 1970er Jahre hat sich an der Brunnenstraße ein weitgehend geschlossener, historischer Gebäudebestand erhalten. Neben kleinen Handwerkerhäusern und bürgerlichen Wohnbauten prägen die großen Wohn- und Geschäftshäuser des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Straßenbild, so dass sich der Charakter einer kleinstädtischen Geschäftsstraße aus der Zeit um die Jahrhundertwende anschaulich erhalten hat. Mit dem Reformieren Kirchgang eröffnet sich ein malerischer Blick auf den Turm der Großen Kirche. Unterschiedliche Gestaltungs- und Stilformen, Bautypen und Nutzungen vermitteln sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutungen und geben dem Straßenzug eine eigene Prägung innerhalb der Altstadt von Leer, die insgesamt zu den am besten erhaltenen Altstädten in Nordwestdeutschland zählt. Aus diesen Gründen liegt die Erhaltung der Gruppe baulicher Anlagen „Brunnenstraße“ im öffentlichen Interesse.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61540463 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 28
61540694 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 15
61540590 | Wohnhaus | Brunnenstraße 37
61540740 | Packhaus | Brunnenstraße 24
61540505 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 13
61540506 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 17
61540515 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 20
61540508 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 21
61540513 | Kaufhaus | Brunnenstraße 39
61540695 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 22
61540699 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 9
61540512 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 33
61540588 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 19
61540474 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 11
61540510 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 25
61769133 | Wohnhaus | Reformierter Kirchgang 1
61540700 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 30
61540514 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 18
61540589 | Wohnhaus | Brunnenstraße 35
61540511 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 27
61540509 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 23
61540696 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 29
61540701 | Wohn-/Geschäftshaus | Brunnenstraße 31
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
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Reformierter Kirchgang, Blick von der Brunnenstraße nach Westen auf den Turm der Großen Kirche (2025)

