Feste Calenberg und Landarbeitersiedlung
- Landkreis
- Region Hannover
- Samtgemeinde
- Pattensen, Stadt
- Gemeinde
- Schulenburg (Leine)
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Schulenburg
- Objekttyp
- Burganlage
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 0471a4df-4bd7-41e6-952b-f2824c231f48
- System-ID
- #61342287
- ADABweb-ID
- 31077353
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Die nahe Schulenburgs gelegene Feste Calenberg wurde als Wasserburg von Herzog Otto dem Strengen von Lüneburg (1277-1330) um 1290 als Sicherung der welfischen Gebiete gegen den Hildesheimer Bischof errichtet. Bis 1350 wurde die Burg durch einen Westflügel und einen Torturm ergänzt. Der höher gelegene Burgplatz von 70 x 52 m wurde durch eine 4 bis 5 m hohe Mauer begrenzt. Der damalige Burgherr Konrad von Saldern erhielt die Genehmigung, südlich der Burg eine unbefestigte Stadt anzulegen. Die Lauenstadt genannte Ansiedlung, die heute aus nur wenigen Häusern an der Kurve der Landesstraße 460 besteht, ist immer bedeutungslos geblieben. Wegen eines geheimen Paktes mit Hildesheim mussten die von Saldern die Burg an Herzog Wilhelm im Jahre 1364 abtreten. Calenberg wurde zur Vogtei für das Land zwischen Deister und Leine ausgebaut, zu dem die Goen Gehrden, Seelze, Pattensen, Gestorf, Eldagsen, die Vogtei Langenhagen, die Stadt Münder und das Gebiet des Großen Freien zählten. Die Burg hatte eine Besatzung von 20 bis 30 Mann, die von dem Zoll der nahen Leinebrücke und den Erträgen der Calenberger Mühle, der 1744 neu errichteten Juliusmühle, unterhalten wurden. Anfang des 16. Jh. ließ Erich I. die Burg zu einer modernen Feste ausbauen, die auch den Angriffen, die mit Feuerwaffen geführt wurden, standhielt. Wesentlicher Schutz gegen die Kanonenkugeln war der ca. 8 m hohe Hauptwall, der mit dem Erdreich des ca. 40 m breiten Wassergrabens aufgeschüttet wurde. Zugänglich war die Burg über eine Zugbrücke auf der Westseite, der eine unbefestigte Insel vorgelagert war. Calenberg hielt während der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 und sogar noch 1625 im Dreißigjährigen Krieg mehreren Belagerungen stand. Das Schloss war als zweigeschossiger Fachwerkbau mit zwei einstöckigen Seitenflügeln auf alten Fundamenten neu errichtet worden. Obwohl das sehr einfache Renaissanceschloss nicht die vielen Leute eines Hofstaates aufnehmen konnte, betrachteten die Welfen Calenberg als ihr Stammschloss, das sie seit 1432 neben Neustadt, Pattensen und Koldingen als Residenz nutzten. Mit der größeren Reichweite der Geschütze in der zweiten Hälfte des 17. Jh. verlor Calenberg seine Bedeutung als Festung. Das mit einfachen Materialien erbaute Schloss litt während des Dreißigjährigen Krieges stark. Noch 1656 bis 1662 versuchte Herzog Georg Wilhelm den Verfall aufzuhalten. Wegen der ständigen Bauschäden ließ 1690 Ernst August das Schloss abbrechen. Der Abbruch zog sich bis 1720 hin. Nach unterschiedlichsten Nutzungen wurde auf dem Burggelände aus dem Material des Abrisses 1765 ein Gefängnis aus Sandsteinquadern erstellt, das bis 1930 benutzt und erst in den 1980er Jahren abgetragen wurde. Vier langgestreckte eingeschossige Ziegelmassivbauten mit kleinen Stallgebäuden am nordwestlichen Rand des Befestigungswalles gehören zu dem 1669 in der Nähe der alten Festung gegründeten Gutshof, der Neues Calenberg genannt wurde und bis 1817 Amtssitz war. Die vier ehemaligen Landarbeiterwohnhäuser bilden mit der Feste eine Gesamtheit baulicher Anlagen.
- Denkmalbegründung
- Die ehemalige Festung auf dem Calenberg ist trotz der geringen oberirdischen Reste der Befestigungsanlage wie dem gewaltigen Batterieturm am westlichen Tor und dem sog. Corvinuskeller ein eindrucksvolles Bild neuzeitlichen Festungsbaus. Von den Welfen als Stammschloss betrachtet, gab sie der Region ihren Namen, ihre landesgeschichtliche Bedeutung geriet erst durch die Verlegung der Residenz nach Hannover und der Gründung des Hausgutes am anderen Leineufer aus dem Fokus. Aufgrund des geschichtlichen Zeugnis- und Schauwertes, der landschaftsprägenden Bedeutung der Feste sowie der Bedeutung der Landarbeiterhäuser als beispielhafte Gebäudetypen und als städtebaulich prägendes Element der ehemals herrschaftlichen Anlagen besteht ein öffentliches Interesse an der Erhaltung der Gruppe. Die Feste Calenberg ist auch als archäologisches Denkmal erfasst.
- Untergeordnete Objekte (ID | Typ | Adresse)
- 61355326 | Wohnhaus | Zum Calenberg 9
61355329 | Wohnhaus | Zum Calenberg 10
61696815 | Wohnhaus | Zum Calenberg 11
61696816 | Wohnhaus | Zum Calenberg 12
61355325 | Keller | Pattensen, Stadt - Schulenburg (Leine)
61355327 | Kasematte | Pattensen, Stadt - Schulenburg (Leine)
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

