Kirchenanlage Ofen
- Landkreis
- Ammerland
- Samtgemeinde
- Bad Zwischenahn
- Gemeinde
- Bad Zwischenahn
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Ofen
- Adresse
- Kirchstraße 9
- Objekttyp
- Kirchenanlage (Baukomplex)
- Denkmalstatus
- Gruppe baulicher Anlagen (gemäß §3 Abs. 3 S. 1 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 03c9d8b8-8821-4961-a7d9-6d79c07f7a86
- System-ID
- #61793491
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Beschreibung
- Kirchenanlage Ofen, bestehend aus der 1899-1901 nach Plänen des Oldenburger Baurates im neugotischen Stil errichteten Ofener Kirche und dem etwa zeitgleich errichteten Ofener Pfarrhaus.
- Denkmalbegründung
- Die ehemalige Bauerschaft Ofen, die im Spätmittelalter erstmals urkundlich Erwähnung fand, befindet sich im Nordwesten der Stadt Oldenburg. Wie die anderen rings um Oldenburg liegenden Ortschaften gehörte Ofen ursprünglich zur Hausvogtei der Grafen von Oldenburg. Ab 1810 bildeten diese Ortschaften mit Ausnahme der Gemeinde Osternburg und den in den Osenbergen gelegenen Dörfern der Gemeinde Hatten die Landgemeinde Oldenburg. Auf Betreiben der wohlhabenderen Bevölkerung des Gemeindenordens wurde die Landgemeinde Oldenburg 1897 entlang der Bahnstrecke Oldenburg–Wilhelmshaven aufgeteilt; der nordöstliche Teil wurde zur Gemeinde Ohmstede, der südwestliche zur Gemeinde Eversten. Zu letzterer zählten neben Eversten selbst auch die Ortschaften Bloh, Bloherfelde, Hundsmühlen, Metjendorf, Ofen, Ofenerfeld und Wehnen sowie die Moorkolonien Friedrichsfehn mit dem Wildenloh, Nordmoslesfehn und Petersfehn. Etwa zeitgleich wurde auch die Kirchengemeinde Oldenburg, zu der auch die Einwohner der Landgemeinde Oldenburg gehörten, reorganisiert. Bereits seit 1848 war eine Teilung der großen Kirchengemeinde im Gespräch. Im Jahr 1901 wurde sie schließlich in eine Stadt- und die drei selbständigen Landgemeinden Eversten, Ohmstede und Ofen aufgeteilt. Zur Kirchengemeinde Ofen zählten Petersfehn I und II, Wechloy, Ofen, Metjendorf, Ofenerfeld und Bloh. Ein Bauplatz für die Kirche der neuen Gemeinde fand sich schnell auf dem östlichen Friedhoferweiterungsgelände des bereits 1864 nördlich der Chaussee von Oldenburg nach Zwischenahn angelegten Ofener Friedhofs. Von Beginn an war dieser Friedhof von der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, der heutigen Karl-Jaspers-Klinik Wehnen, mitbenutzt worden. Diese war bis 1858 auf dem unmittelbar westlich gelegenen, ehemaligen Wehner Esch durch das Herzogtum Oldenburg errichtet worden. Der Grundstein der Ofener Kirche wurde bereits am 11.07.1899 im Beisein des Großherzogs gelegt. Zwei Jahre später, am 17.05.1901, konnte die Kirche feierlich eingeweiht werden. Für den Entwurf der neugotischen Backsteinkirche mit Westturm, dreijochigem Langhaus, kurzen Querhausarmen und polygonalem Chorabschluss zeichnete der Oldenburger Baurat Ludwig Wege verantwortlich. Der überwölbte Wandpfeilersaal wird seitlich von sandsteinernen, zweibahnigen Maßwerkfenstern mit alternierenden Drei- bzw. Vierpassabschlüssen belichtet. Die bauzeitliche Innenausstattung mit Altar, Kanzel, Gestühl und Orgelempore, etc., hat sich ebenso erhalten wie die historischen Buntglasfenster. Zum hundertjährigen Bestehen von Kirchengemeinde und Kirche war es außerdem gelungen, die zwischenzeitlich überfasste, historistische Wandfassung zu rekonstruieren. Etwa zeitgleich wurde für den Inhaber der ebenfalls neu eingerichteten Pfarrstelle das Ofener Pfarrhaus östlich des Kirchenneubaus errichtet. Städtebaulich und stilistisch nimmt der eingeschossige Backsteinbau mit Drempel und Krüppelwalmdach direkten Bezug auf die benachbarte Kirche. Beim Bau des Pfarrhauses wurden nicht nur Firstrichtung und Bauflucht des Kirchengebäudes aufgenommen. Durch die Verwendung von gleichartigem, rotem Backstein an den Fassaden und die Eindeckung der Dächer mit Rechteckschiefern vermittelte sich dem Betrachter die inhaltliche Verbindung von Kirche und Pfarrhaus schon aus einiger Entfernung. Auch bauliche Details des Kirchengebäudes, wie beispielsweise das Verfugen mit aufgesetzter Fuge, die Herstellung der Sohlbänke aus abgeschrägten Backsteinschichten oder die Verwendung von Formsteinen in den Fenstergewänden, wurden am Pfarrhaus wieder aufgegriffen und verbinden die Gebäude so zu einer stilistisch homogenen Einheit. Kirche und Pfarrhaus in Ofen zeugen von einem bedeutsamen Ereignis in der Ortsgeschichte Ofens. Die Gebäude sind kurz nach Gründung der politischen Gemeinde Eversten 1897, zu der Ofen damals gehörte, und als direkte Folge der Gründung der selbständigen Kirchengemeinde Ofen im Jahr 1901 errichtet worden. Sie stehen damit für die Restrukturierung der Landeskirche Ende des 19. Jahrhunderts und das damit verbundene Bestreben, die Gläubigen durch die Gründung kleinerer Gemeinden vor Ort wieder enger an die Kirche zu binden. Kirche und Pfarrhaus bilden bis heute das geistliche Zentrum des Ortes. 1924 wurde Ofen zwar auch selbständige politische Gemeinde. Im Zuge der Verwaltungsreform 1932/33 schlug man den größten Teil der Bauerschaft bereits wieder der Gemeinde Bad Zwischenahn zu, zu der Ofen bis heute als Ortsteil gehört. Die im neugotischen Stil errichtete Kirche steht ferner beispielhaft für einen nach den Grundsätzen des 1861 publizierten Eisenacher Regulativs errichteten Kirchenbau. Nach dessen Erscheinen prägten die Ausführungsvorschiften des Eisenacher Regulativs jahrzehntelang den Kirchenneubau insbesondere der lutherischen Landeskirchen, bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts durch das bereits 1890 erschienene und 1892 erstmals umgesetzte Wiesbadener Programm abgelöst wurden. Die verhältnismäßig späte Umsetzung jenes Programms spiegelt die auch kirchenpolitisch konservative Ausrichtung des Großherzogtums Oldenburg wider, von der auch die ebenfalls im neugotischen Stil errichteten, sogenannten Schwesterkirchen der Ofener Kirche – die in den Jahren 1900-1902 errichtete Ansgarikirche in Eversten und die 1901 gebaute Ohmsteder Kirche – zeugen. Die stilistische Verwandtschaft der Kirchen begründet sich weiterhin dadurch, dass deren Architekten Karl Mohrmann (Ansgarikirche), Ludwig Freese (Ohmsteder Kirche) und Ludwig Wege allesamt ehemalige Schüler oder Mitarbeiter Conrad Wilhelm Hases, des einflussreichen Begründers der „Hannoverschen Schule“, der als Baurat u. a. auch am Eisenacher Regulativ mitgewirkt hatte, waren. Von den drei Schwesterkirchen hat sich die Ofener Kirche, trotz der 1938 erfolgten Einkürzung des Westturms, im Hinblick auf Authentizität und Integrität am besten erhalten. Mit der Übernahme von prägnanten Stilmerkmalen des Kirchenbaus kommt ferner auch dem im historistischen Stil errichteten Pfarrhaus ein Schau- und Zeugniswert für die Bau- und Kunstgeschichte zu. Des Weiteren ergibt sich eine städtebauliche Bedeutung von Pfarrhaus und Kirche mit prägender Wirkung auf das Ortsbild. Die südliche Umgebung der Kirche hat sich im Vergleich mit der Situation um 1900 kaum verändert. Von der heutigen Hermann-Ehlers-Straße, der ehemaligen Chaussee von Oldenburg nach Zwischenahn, zweigt nördlich eine bereits bei Anlage des Friedhofs im Jahr 1864 vorhandene Allee (heute Kirchstraße) ab, über die Kirche und Pfarrhaus erschlossen werden. Östlich dieser Allee schließt sich heute wie damals Grünland an, sodass Kirche und Pfarrhaus schon von der Hauptstraße aus wahrnehmbar sind. An der Erhaltung der Gruppe Kirchenanlage Ofen besteht aufgrund ihrer geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung wegen ihres ortsgeschichtlichen und ortsbildprägenden Schau- und Zeugniswerts ein öffentliches Interesse. Aus den vorgenannten Gründen handelt es sich bei der Gruppe Kirche Ofen um ein Baudenkmal gem. § 3 Abs. 3 NDSchG.
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro

