Pöhlder Hof / Amtsgericht
Wohnhaus_Südliche Traufseite, von Südwest nach Nordost (2015)
Südostansicht (2018)
Wohnhaus_Südliche Traufseite, von Ost nach West (2015)
Wohnhaus_Südliche Traufseite, Detail, von Süd nach Nord (2015)
- Landkreis
- Göttingen
- Samtgemeinde
- Duderstadt, Stadt
- Gemeinde
- Duderstadt
- Orts-/Stadtteil/Lage
- Duderstadt
- Adresse
- Hinterstraße 33
- Objekttyp
- Gerichtsgebäude
- Baujahr
- 1721
- Denkmalstatus
- Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
- Bedeutung
- Geschichtliche Bedeutung, Künstlerische Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
- Im Denkmalverzeichnis
- Ja
- Objekt-ID
- 0113fb1c-a14d-4911-ac27-ec82dc427b15
- System-ID
- #61509691
- ADABweb-ID
- 35184470
- Fachbereich
- Baudenkmalpflege
- Denkmalthema
- Fachwerkfarbigkeit
- Beschreibung
- Ehemaliger Pöhlder Hof. Langgestrecktes, traufständiges, dreigeschossiges Verwaltungsgebäude, bestehend aus zwei Baukörpern mit abknickender Bauflucht straßenseitig, und nahezu gerader gemeinsamer Bauflucht auf der Hofseite. Fachwerk in Stockwerksbauweise, barockes Portal, Satteldach, errichtet ab 1721 nach dem Stadtbrand vom Dezember 1720. Große, mehrteilige Kelleranlage. Der Pöhlder Hof gehörte als Klosterhof zum Prämontratenserkloster in Pöhlde bei Herzberg im Harz. Seit 1816 Amtsgericht. Beide Baukörper wohl in einem Zuge errichtet ab 1721 in der 4. Duderstädter Bauperiode (1650-1780/Barock) als Wiederaufbau des zerstörten ehem. Pöhlder Hofes nach dem Stadtbrand vom 11. Dezember 1720. Die Hofanlage auf einen mittelalterlichen Wirtschaftshof des Prämonstratenserklosters Pöhlde zurückgehend, der spätestens 1591 an dieser Stelle belegt ist. Nach der Auflösung des Ordens 1575 als Residenz des kurfürstlich-mainzischen Stadtschultheißen genutzt und bereits 1633 als „baufällig“ bezeichnet. Der Neubau ab 1721 mit repräsentativer Wohnung des Stadtschultheißen im östlichen und ab 1752 mit Gerichtsfunktion im westlichen Gebäudeteil. Seit 1816 Nutzung als Königlich-Großbritannisches Hannoversches Amt und Kriminalgericht, seit 1835 auch Zivilgericht, schließlich seit 1885 Landratsamt (bis zur Verlagerung 1914) und Amtsgericht. Der kürzere westliche Bau mit 9 Fensterachsen zur Straßenseite zwischen Doppelstielen, der längere östliche Baukörper mit 13 Öffnungsachsen zwischen Doppelstielen im Erd- und 1. Obergeschoss. Hier im 2. Obergeschoss nur 5 Achsen befenstert, die dazwischenliegenden jeweils zwei Achsen in der Art von Blindfenstern ausgefacht (Archivbereich). Alle Fenster und Blindfenster mit umlaufenden, kräftig profilierten profilierten Faschen. Das Fachwerk in typisch spätbarocker Manier mit hohen Fensteröffnungen, die Brüstungsfelder der Obergeschosse mit regelmäßigem Wechsel von Fußbändern in V-Motiv und Brüstungsstielen. Im Erdgeschoss des westlichen Baues nur ein vereinzeltes Fußband, im östlichen Teil jedes zweite Brüstungsfeld mit beidseitigen Fußbändern. Die Balkenzonen (auch in der Traufzone) mit bauzeittypischer Gestaltung: die Balkenköpfe gerundet und seitlich gefast, die Füllhölzer als kräftige Wulst, die Schwellenunterkanten mit Schiffskehlen, die Schwellenfronten mit durchlaufendem Stabprofil und oberseitiger Abschrägung. In der deutlich vorspringenden Traufzone die Balkenköpfe der Aufschieblinge mit unterseitiger Abfassung sichtbar. In der Mittelachse des Ostteiles die bauzeitliche Hauseingangstür mit barocker Portalgestaltung vor tiefer Eingangsnische (diese möglicherweise später eingefügt): beidseitig flache Pilaster mit floralem Schnitzdekor, wuchtigen Kapitellen und dekoriertem „Schlussstein“. Die zweiflügelige kassettierte Hauseingangstür mit verzierter Schlagleiste und vorgelegter Zugangstreppe aus vier Sandsteinstufen. Neben diesem Haupteingang bis 1912 ein weiterer Eingang im westlichen Teil rechts mit Zugangsstufen vorhanden, danach (spätestens seit 1928, s. Messbildfotografie des BLDAM) links außen eine Torfahrt als Zugang zum Innenhof, Ende der 1950er Jahre aufgegeben, in der Fachwerkstruktur der Hofseite jedoch noch abzulesen. Die Hoffassaden ebenfalls in Stockwerksbauweise, jedoch ohne Geschossüberstand, deutlich von der Gestaltung der Straßenseite abweichend: der östliche Teil mit 23 Gefachachsen, der westliche mit 13 Achsen. Die hofseitigen 18 bzw. 19 Fenster der Obergeschosse in Zweier-, und Dreiergruppen sowie einer Vierergruppe zusammengefasst. In den zwischenliegenden fensterlosen Gefachachsen Streben in 2/3-Höhe, teils in symmetrischer Anordnung, sowie einzelne (gekrümmte) Fußbänder. Im Erdgeschoss ebenfalls Gruppierungen von insgesamt 17 Fenstern (davon 3 kleine hoch liegend im Treppenhausbereich), teils im Rhythmus der Obergeschosse, zwei Hoftüren mit Oberlichtern sowie eine großflächige Verglasung. Alle Fenster mit schlichten umlaufenden Faschen. Der freistehende Teil des Westgiebels mit Ziegelbehang. Das Satteldach mit nur einer kleinen Schleppgaupe über dem Westteil, im unteren Dachgeschoss mit bauzeitlich weitgespannter, liegender Dachstuhlkonstruktion. Das Innere mit umfangreichem bauzeitlichem Bestand: hervorzuheben die zentrale dreiläufige Eichenholztreppe ins 1. Obergeschoss mit barocken Balustern, die nach historischen Quellen bereits im Vorgängerbau eingebaut, von dort wohl 1719 in die Cyriakuskirche verlagert und 1722 wieder in den neu errichteten Pöhlder Hof zurückgeführt wurde und damit der Zerstörung durch den Brand von 1720 entging. Daneben in allen Geschossen Bestände von Stuckdecken mit Vouten und profilierten barocken Deckenspiegeln, in den hofseitigen, eher untergeordneten Räumen auch verputzte Deckenbalken. Umfangreicher Bestand an bauzeitlichen kassettierten, teils zweiflügeligen Türen mit profilierten Bekleidungen und geschweiften Füllungsspiegeln, teils mit alten Beschlägen. Daneben Teile bauzeitlicher Lambris, Sockelprofile und Dielenfußböden in einzelnen Räumen und Flurbereichen. Im 1. Obergeschoss des westlichen Gebäudeteils eine durch jüngere Trennwände verbaute, ehem. Halle mit profilierten Holzstützen. Dort auch Teile einer bauzeitlichen Nebentreppe mit Balustrade im Obergeschoss. Im 2. Obergeschoss sind u.a. hofseitig zwei sogenante Gefängniszellen mit alten bleiverglasten Fenstern erhalten (Farbbefunduntersuchungen, 2000), die als Lagerräume nachgenutzt werden. Besonders authentisch der straßenseitige große Archivraum im 2. Obergeschoss des östlichen Gebäudeteils mit unverputzten Fachwerkwänden (teils mit Ritzstrukturen auf den Lehmputzausfachungen) und Deckenuntersichten sowie schweren Stützenreihen mit Längsunterzügen und Kopfbändern. Zur Information: Zugang zu einer großen mehrteiligen Kelleranlage unter dem östlichen Gebäudeteil über eine Sandsteintreppe am Ostgiebel bzw. über eine hofseitige Außentreppe vor der Hoffassade (s. separater Datensatz). Schutzgegenstände: das Gesamtgebäude mit dem äußeren Erscheinungsbild (Fassaden, Dach) und dessen tragender Substanz sowie mit den umfangreichen bauzeitlichen Ausstattungsteilen in allen Geschossen: Eichenholzhaupttreppe mit Balustrade, Nebentreppe im westlichen Gebäudeteil mit Balustrade, Stuckdecken, Türen mit Beschlägen, bauzeitlichen Lambris, Sockelprofile und Dielenfußböden, Innenraumgestaltung des großen Archivraums sowie der hofseitigen Lagerräume im 2. Obergeschoss.
- Übergeordnete Objekte (ID | Typ)
- 61507411 | Altstadt (Baukomplex)
- Literatur
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- NFIS
- NFIS|Denkmalatlas.Pro
Wohnhaus_Südliche Traufseite, von Südwest nach Nordost (2015)
Südostansicht (2018)
Wohnhaus_Südliche Traufseite, von Ost nach West (2015)
Wohnhaus_Südliche Traufseite, Detail, von Süd nach Nord (2015)

