Samson-Schule

Datenblatt

Landkreis
Wolfenbüttel
Samtgemeinde
Wolfenbüttel, Stadt
Gemeinde
Wolfenbüttel
Orts-/Stadtteil/Lage
Wolfenbüttel
Adresse
Leopold Zuns Platz 1
Objekttyp
Schulgebäude
Baujahr
1896
Personen
Müller, Franz Heinrich Carl, jun.
Denkmalstatus
Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
Bedeutung
Geschichtliche Bedeutung, Städtebauliche Bedeutung
Im Denkmalverzeichnis
Ja
Objekt-ID
a66c6e67-3f37-4118-b47c-f86d3ddc7d2d
System-ID
#61425646
ADABweb-ID
33886043
Fachbereich
Baudenkmalpflege
Beschreibung
Asymmetrische, zwei- bis dreigeschossige Dreiflügelanlage, die ihre Hauptfassade nach Osten zum Neuen Weg, der historischen Hauptverbindungsstraße zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig, ausrichtet; ein längerer nördlicher, dreigeschossiger und ein kurzer südlicher, zweigeschossiger Flügel sowie ein weit vorspringender Trakt in der Mittelachse greifen nach Westen auf das Grundstück aus. Die Backsteinfassaden sind einheitlich und schlicht gegliedert: Über einem Sockelgeschoss folgen die zwei Hauptgeschosse mit breiten, segmentbogigen Fenstern, die ein waagerechtes Gesims von einem Mezzaningeschoss mit schmaleren Rundbogenfenstern trennt. Rechts und links der Mittelachse der Straßenfassade, in der über einer Freitreppe der Haupteingang in die Schule liegt, springen zwei übergiebelte Risalite leicht in die Straßenflucht vor. Der rundbogige Haupteingang sowie die Fensterrahmungen im darüber liegenden Geschoss sind in Sandstein ausgeführt und heben diesen zentralen Bereich gegenüber den anderen Fronten heraus. Vom zentral gelegenen Haupteingang aus gelangt man in einen Flur, der die beidseitig angeordneten Räume erschließt. Zwei Treppenhäuser führen in die Obergeschosse. Im mittleren Trakt auf der Westseite befindet sich im Obergeschoss die Aula der Schule. Erbaut 1896 nach Entwurf des Wolfenbütteler Kreisbaumeisters Carl Müller jun. (1837-1907) für die staatlich kontrollierte, aber private Bildungseinrichtung der jüdischen Samson-Schule, die bereits seit 1786 als jüdische Talmud-Tora-Schule in Wolfenbüttel existierte und ihren Sitz zuvor in der Wolfenbütteler Altstadt hatte. In den 1920er Jahren erlebte die Schule einen erheblichen Rückgang der Schülerzahlen, sodass sie 1928 geschlossen werden musste. Seit einer umfassenden Sanierung steht die Samson-Schule nun als Wohnheim für Studierende und Auszubildende zur Verfügung, ein Raum der Information erinnert an die Geschichte des Hauses und der Institution Samson-Schule, aber auch an die Menschen, die hier lernten und lehrten.
Denkmalbegründung
Das Gebäude der Samson-Schule ist ein Denkmal mit vielschichtiger Bedeutung: Es zeugt von der deutsch-jüdischen Geschichte der Bildung, insbesondere von der Etablierung und Weiterentwicklung der Bildungsideale der jüdischen Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland. Der Bau verkörpert in baukörperlicher Struktur, funktionaler Raumdisposition und strenger, historistischer Stilistik die zeittypischen Gestaltungsideale des Schulbaus um 1900. Als spätes Werk von Carl Müller jun. ist die Samson-Schule zudem Zeugnis eines umfangreichen Oeuvres eines in der Region erfolgreichen Architekten. Das Äußere der Samson-Schule ist weitgehend unverändert überliefert, auch die inneren räumlichen Strukturen der Erbauungszeit sind überall ablesbar, raumprägende Elemente wie die Treppenhäuser sind in ihrer detailreichen Gestaltung erhalten. Berühmte Schüler wie Leopold Zunz (1794-1886), einer der Begründer der Wissenschaft des Judentums oder der Unternehmer Emil Berliner (1851-1929), der die Schallplatte und das Grammophon erfand besuchten sie. Neben diesen geschichtlichen Bedeutungsebenen liegt zudem eine städtebauliche Bedeutung vor: Die das Straßenbild prägende Wirkung der Samson-Schule ist bis heute ungeschmälert. Daher besteht an der Erhaltung der Samson-Schule ein öffentliches Interesse.
Lizenz
CC BY-SA 4.0
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