St. Marienkirche

Datenblatt

Landkreis
Göttingen
Gemeinde
Göttingen, Stadt
Gemarkung
Göttingen
Orts-/Stadtteil/Lage
Göttingen
Adresse
Groner-Tor-Straße 30
Objekttyp
Kirche (Bauwerk)
Baujahr
um 1290
Personen
Kastrop, Bartold
Schreiter, Johannes
Hase, Conrad Wilhelm
Denkmalstatus
Einzeldenkmal (gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG)
Bedeutung
geschichtlich, künstlerisch, wissenschaftlich, städtebaulich
Im Denkmalverzeichnis
Ja
Objekt-ID
35861448
Objekt-Nr.
239
Fachbereich
Bau und Kunst
Beschreibung
Die unmittelbar westlich des Leinekanals gelegene evangelisch-lutherische St. Marienkirche war ursprünglich die Pfarrkirche der seit etwa 1280 bestehenden Göttinger Neustadt, deren 1319 erstmals erwähnter südlicher Torturm die Durchfahrt von der Groner-Tor-Straße zur Neustadt war und zugleich in Doppelfunktion als Kirchturm diente. Der ursprünglich einschiffige Kirchenbau ist an der Eckquaderung in der Westfassade ablesbar. Dass im Kern des heutigen Kirchengebäudes Reste des Ursprungsbaus aus dem späten 13. Jahrhundert stecken, legen auch dendrochronologisch auf 1298/99 datierte, wiederverwendete Balken im markant steilen Dach nahe. Seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Ursprungsbau in Bruchstein mit Sandsteingliederungen zu einer dreischiffigen, dreijochigen Anlage erweitert, wobei man das Südschiff erheblich breiter als das nördliche anlegte, um bündig an den Torturm anzuschließen. Bemerkenswert ist das Nordportal des 14. Jahrhunderts mit Laubwerk in den Archivolten. In einer wohl getrennten Bauphase wurde die Kirche nachträglich zur kreuzrippengewölbten Staffelhalle erhöht und erhielt im Innern stämmige Achteckpfeiler mit Laubwerkkämpfern und darüber im Mittelschiff Kurzdiensten. Erst im 15. Jahrhundert begann der Chorumbau in Quaderbauweise und mit Neueinwölbung, der 1510/12 vollendet war. Der heutige Chorbau ist Ergebnis einer zwischenzeitlchen Verkürzung mit geradem Chorschluss im 18. Jahrhundert, worauf 1887-90 nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase eine neugotische Rekonstruktion auf wiederum polygonalem Grundriss folgte. Schon zuvor hatte Hase 1864 und 1883-85 eine Neuausgestaltung der Kirche geleitet, deren Innenausstattung mit Kanzel und südliche Seitenempore mit ansteigenden Rängen in der gesamten Breite des Südschiffs bis heute erhalten sind. Das Hauptstück dieser neugotischen Neuausstattung war die von Hase frei entworfene Neugestaltung des Kreuzaltars, wobei er Teile eines spätgotischen Wandelaltars von 1524 mit Schnitzereien von Hans Kastrop und Malereien von Heinrich Heisen integrierte, die zwischenzeitlich in einem evangelischen Kanzelaltar der Barockzeit verbaut waren. Orgelgeschichtlich bedeutend ist die 1925-26 eingebaute Mahrenholz-Furtwängler-Orgel. Sie war die erste nach dem barocken Werkprinzip realisierte Orgel und gab der in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden sogenannten Orgelbewegung wichtige Impulse. 1968-69 erfolgte eine erneute grundlegende Kirchenrestaurierung, wobei man u.a. den Bau mit Betonpfählen unterfing und eine bunte Betonverglasung von Johannes Schreiter in die alten Maßwerkfenster einbaute.
Denkmalbegründung
Die noch im 13. Jahrhundert begonnene St. Marienkirche ist die älteste stehende Kirche Göttingens. Heute bildet die Marienkirche zusammen mit dem Turm und der im 14. Jahrhundert organisatorisch und baulich an der Westseite angeschlossenen, langgestreckten Deutschordens-Kommende ein städtebaulich bedeutendes Ensemble. Die Erhaltung der Göttinger St. Marienkirche liegt aus geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse. Die geschichtliche Bedeutung im Rahmen der Stadtgeschichte besteht aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes u.a. für die Bau- und Kunstgeschichte und die Siedlungsgeschichte der Neustadt. Die wissenschaftliche Bedeutung liegt im Überlieferungswert als bauhistorische Quelle zur Erforschung der in Teilen noch ungeklärten Baugeschichte. Die städtebauliche Bedeutung wird begründet durch den prägenden Einfluss auf die Straßenzüge Groner-Tor-Straße, Neustadt und Angerstraße sowie auch als wichtiges Element innerhalb des Altstadt-Ensembles von hohem Identifikationswert.
Gruppen (ID | Typ | Beschreibung)
42026123 | Altstadt (Baukomplex) | Baukulturensemble Innenstadt Göttingen
50293737 | Kirchenanlage (Baukomplex) | Marienkirche und Kommende
Literatur
PPN: 030933706 | Seitenangabe: 509-510

PPN: 1849881391 | Seitenangabe: 53 - 53

PPN: 243177070 | Seitenangabe: S. 532 Werkverzeichnis C.W. Hase
Weiterführende Links
Denkmaltopographie Stadt Göttingen: Objektbeschreibung
Lizenz
CC BY-SA 4.0
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