Eingeschlafen oder erlegt? Ein neuer Höhlenbärenschädel von der Einhornhöhle

von Dirk Leder, Jens Lehmann, Michael Meyer, Ralf Nielbock, Thomas Terberger

Seit 2014 erforscht das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) zusammen mit der Gesellschaft Unicornu fossile e.V. archäologische Spuren aus der Zeit des Neandertalers in der Einhornhöhle im Südharz. Nachdem lange Zeit eiszeitliche Funde nur aus dem sogenannten Jacob-Friesen-Gang bekannt waren, ist es nun erstmals gelungen, auch altsteinzeitliche Funde an einem heute verschütteten Eingangsportal zu entdecken. Ein nahezu vollständig erhaltener Höhlenbärenschädel gehört zu den spektakulären Funden aus diesem Grabungsareal. Den beeindruckenden Zustand des Schädels verdanken wir einer aufwändigen Restaurierung in der Werkstatt des NLD. Erste Datierungsergebnisse weisen auf ein Alter der Fundschicht von ca. 50.000 Jahren vor heute hin.

 

Der Höhlenbär (Ursus spelaeus)  gehört zu den imposantesten Faunenvertretern der letzten Eiszeit. Er entwickelte sich im Mittelpleistozän vor ca. 400.000 Jahren aus seinem Vorgänger Ursus deningeri, dessen Knochen auch in älteren Schichten der Einhornhöhle zu finden sind. Zunächst war er wie die gemeinsame Stammart der heutigen Großbären Ursus etruscus  ein Fleischfresser, doch ist er im Laufe des Pleistozäns immer stärker zu einer rein herbivoren Ernährungsweise übergegangen. Zur besseren Verwertung der Futterpflanzen hat sich demzufolge sein Gebiss in einer rasanten Evolutionsgeschwindigkeit  zu einem Pflanzenfressergebiss umgewandelt.  Sein spezialisiertes Nahrungsverhalten war mit ein wichtiger Grund dafür, dass Ursus spelaeus zum Beginn des letzten Kältemaximums vor etwa 28.000 Jahren in ganz Europa ausgestorben ist. Knochen von Höhlenbären machen mehr als 90 Prozent aller in der Einhornhöhle gefundenen Großsäuger-Fossilien aus.

Der Höhlenbärenschädel wurde zusammen mit Knochen verschiedener Herbivoren und auch von einem Raubtier aufgefunden. Einige dieser Knochen zeigen Schnittspuren, die auf die Anwesenheit des Neandertalers hinweisen. Die weiteren Arbeiten müssen zeigen, ob der Höhlenbär an dieser Stelle natürlich im Winterschlaf verendet ist oder vielleicht vom Neandertaler erlegt wurde?

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