Gebietsfreischaltung in der Bau- und Kunstdenkmalpflege: Die Stadt Osnabrück
Die kreisfreie Stadt Osnabrück liegt in einem Bereich des westlichen Niedersachsens, der dreiseitig von Nordrhein-Westfalen umschlossen ist und einst zum westfälischen Teil des Stammesherzogtums Sachsen gehörte. Die geschichtliche Bedeutung Osnabrücks reicht bis in die Zeit Karls des Großen zurück, heute ist sie mit knapp 170.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des 1946 gegründeten Bundeslandes. Städtebaulich und architektonisch ist die lebendige Universitätsmetropole stark geprägt vom engagierten Wiederaufbau nach der massiven Zerstörung durch Bombenangriffe in den Jahren 1944 und 1945. Dennoch befinden sich unter den gut 1.200 ausgewiesenen Baudenkmalen nicht nur herausragende Werke der Nachkriegsarchitektur, sondern auch viele bedeutende Zeugnisse früherer Epochen, wie mittelalterliche Sakral- und Profanbauten sowie großräumige Bahn- und Industrieanlagen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Von menschlichen Aktivitäten bereits in der Jungsteinzeit zeugen im Bereich des Stadtgebiets mehrere Großsteingräber. Aufgrund der geographisch begünstigten Überquerungsmöglichkeit des Flusses Hase kreuzten sich in Osnabrück zwei bedeutende Handels- und Heerwege, die vermutlich schon in römischer und fränkischer Zeit bestanden. Wegen dieser verkehrsgeographischen Bedeutung gründete Karl der Große hier eine Missionsstation, die zum 851 erstmals erwähnten Bischofssitz erhoben wurde und sich im Spätmittelalter zu einem landesherrschaftlichen Hochstift entwickelte. Aus dem karolingischen Bistum mit westlich benachbarter Siedlung, die 1002 ein Marktprivileg hatte, entstand die 1147 erstmals urkundlich so bezeichnete Stadt, deren Bedeutung sich in der regen Bautätigkeit des 12. Jahrhunderts spiegelt. Die bauliche Entwicklung der Stadt bis um 1300 ist bis heute im Stadtgrundriss und an den erhaltenen Teilen der Befestigungsanlagen gut ablesbar. Der ursprünglich für sich befestigte Dombezirk (Domburg) als siedlungsgeschichtliche Keimzelle wurde im 12. Jahrhundert mit der benachbarten Marktsiedlung, heute geprägt durch das Rathaus und die Marienkirche sowie der teils nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruierten Bebauung des Marktplatzes, durch eine gemeinsame Stadtmauer zur Altstadt zusammengefasst. Außer im Straßenverlauf ist sie deutlich gekennzeichnet durch Mauer-, Wall- und Toranlagen, etwa im Bereich des Heger Tores, der Viti-Schanze oder des Herrenteichswalles. Türme wie der Bucksturm, der Pernickelturm, oder der Rundturm „Bürgergehorsam“ am Hasetorwall prägen das Bild der Altstadt. Darüber hinaus wurden als vorgeschobene Befestigungslinie zur Sicherung der an die Stadt grenzenden Höhen Anlagen errichtet, von denen die Hohe Mauer am Westerberg mit einem zum Gartenhaus umgebauten Turm erhalten ist.
Im 13. Jahrhundert entstand südlich der Altstadt um die Kirche St. Johann herum die Neustadt mit einem regelmäßigeren Straßenraster. 1306 wurden beide Stadtteile mit einer gemeinsamen Administration und Befestigung zusammengeführt. Der daraus entstandene Stadtteil Innenstadt ist bis heute durch die entlang der alten Mauer- und Wallanlagen führenden Straßen definiert, die Trennlinie zwischen Alt- und Neustadt markiert der Straßenverlauf Neuer Graben-Neumarkt-Wittekindstraße.
Neben den Befestigungen haben sich aus mittelalterlicher Zeit bedeutende Kirchenbauten erhalten, so der Dom St. Peter, dessen älteste Teile auf einen um 1100 infolge eines vorhergegangenen Brandes errichteten Neubaus zurückgehen. Seine heutige Erscheinung prägt überwiegend der Umbau des 13. Jahrhunderts zur spätromanisch-frühgotischen Basilika mit Rippengewölben. Umgeben ist der Dom im Süden vom mittelalterlichen Kreuzgang und 1892 erneuerten Kapitel- und Nebengebäuden, im Norden von der Großen Domsfreiheit: ein geschlossener Komplex aus Bauwerken verschiedener Zeiten einschließlich des Neuaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, der die Stadtentwicklung im Kern seit ihren Anfängen abbildet. Direkt östlich an den Dom schließt sich der Komplex des Gymnasiums Carolinum an, das aus einer von Karl dem Großen 804 gegründeten Domschule hervorging, und deshalb als eine der ältesten Schulen in Deutschland gilt. Die heutigen Gebäude stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, von einem im Krieg zerstörten Aulagebäude von 1899 ist die im Hof aufgestellte Statue Karls des Großen erhalten.
Auch die Marienkirche befindet sich in einem der ältesten Bereiche der Stadt, die Datierungen ihrer durch Grabungen nachgewiesenen Vorgängerbauten reichen bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts zurück. Der überkommene Bau ist beispielhaft für westfälische Hallenkirchen des späten 13. Jahrhunderts und ist wesentliches Element des alten Siedlungsbereiches rings um den Marktplatz. Die zweite Pfarrkirche der Altstadt, die hochgotische Hallenkirche St. Katharinen wurde im 14. Jahrhundert im Bereich der Adelshöfe südlich des Heger-Tor-Viertels anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Der im 15. Jahrhundert vollendete Westturm der im Weltkrieg stark beschädigten und anschließend erneuerten Kirche ist der höchste der Stadt. Mittelpunkt der Neustadt ist die Johanneskirche, die auf die Gründung eines Kollegiatstifts im Jahr 1011 zurückgeht. Die frühgotische Hallenkirche wurde 1256-1292 errichtet und verbindet westfälische und niedersächsische Bautraditionen. 1885 sowie nach 1945 erfuhr die Johanneskirche umfangreiche Restaurierungen und Umbauten.Überregional bedeutende Zeugnisse mittelalterlichen Profanbaus sind die Osnabrücker Steinwerke: Sie sind voll ausgebildete Hinterhäuser in Massivbauweise mit Tonnengewölben über den Dachgeschossen. In Osnabrück haben sich einige der ältesten Steinwerke mit Gewölben aus dem 13. und 14. Jahrhundert in hoher Zahl erhalten, etwa auf den Grundstücken Am Ledenhof 3-5, Bierstraße 7, Große Gildewart 13 Hasestraße 25-26, Krahnstraße 1-2, Marienstraße 3D und Rolandsmauer 23A. Mit Treppen, Kaminen und aufwändig gestalteten Fenstern waren sie nicht nur als Speicher, sondern auch für Wohnzwecke gebaut.
Im 16. Jahrhundert wurden die Befestigungen nach Erkenntnissen eines sich entwickelnden Militärwesens ausgebaut, während ein Verbot der Besiedelung vor den Toren dafür sorgte, dass die Stadt ihren mittelalterlichen Umriss bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts behielt. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es im frühen 17. Jahrhundert zu einem Ausbau der Sicherungsanlagen durch die sternförmige Zitadelle Petersburg am Südostrand der Neustadt und die spitzwinkligen Ravelins, die in alten Stadtansichten gut erkennbar sind. Die Petersburg wurde bereits 1647/48 durch die Bürger geschliffen, die Ravelins gingen spätestens im 19. Jahrhundert durch Entfestigung der Stadt fast komplett verloren. Weitgehend erhalten ist die 1635 unter Einbeziehung der älteren Anlagen des Barenturms und der Hohen Brücke gebaute Vitischanze beim Vitihof.
Europäische Bekanntheit erlangte Osnabrück 1648 als einer der beiden Verhandlungsorte zum Beschluss des Westfälischen Friedens als Abschluss des Dreißigjährigen Krieges. In der Folge wurde das Hochstift Osnabrück der erste konfessionell-paritätische Staat auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, denn aufgrund der seinerzeit unklaren Verhältnisse einigte man sich 1650 auf einen stetigen Wechsel katholischer und evangelischer Fürstbischöfe. Nach dem Tod des vom Osnabrücker Domkapitel gewählten katholischen Amtsinhabers Franz Wilhelm von Wartenberg (1553-1661) wurde Ernst August von Braunschweig-Calenberg (1629-1698) protestantischer Fürstbischof des Hochstifts. Mit dem Schloss am Neuen Graben in der Innenstadt baute er sich 1667-1675 einen für die Zeit des Absolutismus‘ beispielhaften Residenzbau. Nachdem der spätere Kurfürst das Herzogtum Braunschweig und Lüneburg von seinem älteren Bruder übernommen hatte, richtete er sich ab 1680 dauerhaft in Hannover ein. Heute wird das Osnabrücker Schloss von der Universität genutzt.
Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation sind aus dem 18. Jahrhundert nur wenige bedeutende Bauten überkommen, etwa die 1725 in der Wiesenstraße errichtete Kirche der St. Georgskommende. Nach der Aufhebung des Ordens 1809 wurde der Bau allerdings zweckentfremdet und verändert. Teil einer malerischen Klosteranlage auf dem Gertrudenberg ist das 1765 durch den Maurermeister Christian Luschgy gebaute Äbtissinnenhaus der ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei. In der Innenstadt darf das 1768 für den Bürgermeister Justus Eberhard Berghoff erbaute Wohnhaus Große Straße 43 als herausragendes Beispiel bürgerlicher Rokokoarchitektur gelten.
Eine gegen Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende wirtschaftliche Blüte spiegelt sich im Bau repräsentativer Wohn- und Geschäftshäuser wider, etwa in der 1797/98 nach Plänen des Architekten Georg Heinrich Hollenberg gebauten Hirschapotheke. Beispielhaft klassizistische Fassaden besitzen auch das Haus Johannisstraße 4 (1803) und das Haus Große Gildewart 21 (1820).
Die städtebauliche Entwicklung war fast drei Jahrhunderte durch das 1553 erlassene Festungsverbot, das die Besiedelung der Feldmark untersagte, auf den mittelalterlichen Umriss eingefroren. Die Aufhebung dieser Beschränkung im Jahr 1843 und der Anschluss Osnabrücks an das Eisenbahnnetz nach Hannover markieren den Beginn einer rasanten und grundlegenden Umwandlung der Stadt. 1855 wurde vor dem Herrenteichstor der Hannoversche Bahnhof eröffnet, dessen Empfangsgebäude im Rundbogenstil weitgehend erhalten ist. Nach Neubau der Süd-Nord-Linie wurde bereits 1895 ein neues Empfangsgebäude im Kreuzungswinkel zwischen derselben und der älteren Trasse errichtet. Im Umfeld des heutigen Hauptbahnhofs am Theodor-Heuss-Platz entstanden nach und nach mehrere damit zusammenhängende bauliche Anlagen wie zahlreiche Eisenbahnbrücken und ein Ringlokschuppen, der 1904-1913 zur Wartung von Dampflokomotiven errichtet wurde. Das den Südostwinkel der Haupttrassen städtebaulich prägende Gebäude wurde jüngst für neue Nutzungen saniert und umgebaut.
Auf dem Gelände des erwähnten Klosters auf dem Gertrudenberg errichteten die hannoverschen Baubeamten Adolf Funk und Julius Rasch die „Hannoversche Provinzialständische Irrenanstalt“. Die Pläne für die neugotischen Bauten dieser und einer weiteren „Irrenanstalt“ in Göttingen entstanden bereits 1861. Nach der Annexion des Königreichs Hannover vollendete die preußische Regierung die Anlage und erweiterte sie sukzessive bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Die ab 1952 unter Trägerschaft des Landes als Niedersächsisches Landeskrankenhaus Osnabrück geführte Einrichtung wurde 2007 privatisiert.
Im Gefolge der Gründerjahre kam es in Osnabrück zu einer vermehrten Entstehung öffentlicher Bauten. Dazu gehört das Landgerichtsgebäude, 1874-78 nach den Entwürfen des Regierungs- und Baurats Karl Grahn in klassizistisch geprägtem Rundbogenstil gebaut. Beispielhaft für deutsche Neorenaissance ist das 1893-1896 nach Plänen vom Berliner Oberbaurat Zastrau errichtete Gebäude der Königlichen Regierung am Heger-Tor-Wall, heute Polizeidirektion. Hinzu kamen Bauten der Versorgung wie das 1890 fertiggestellte Wasserwerk an der Mindener Straße oder das Elektrizitätswerk in der Liebigstraße, aber auch Museumsbauten wie das Kulturgeschichtliche Museum (Emil Hackländer, 1887/89), heute Teil des Museumsquartiers am Heger-Tor-Wall. Zahlreiche Schulgebäude dokumentieren die steigenden Bevölkerungszahlen in dieser Zeit, wie das 1868/70 von Stadtbaumeister Wilhelm Richard in spätem Rundbogenstil gebaute Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, oder die 1889-1913 von Alexander Behnes und Friedrich Lehmann errichtete Gruppe der Bürger- und Domschulbauten zwischen Herrenteichswall und Erich-Maria-Remarque-Ring. Ebenfalls von Lehmann stammt der in Formen der deutschen Renaissance gestaltete Bau des Ratsgymnasiums (1906-1908) an der Hans-Böckler-Straße. Kurz hintereinander, zwischen 1896 und 1903, und in einheitlichem Stil der Neorenaissance entstanden die Artilleriekaserne (General von Stein-Kaserne) und die Infanteriekaserne (Caprivi-Kaserne) im Stadtteil Westerberg.
Zum lebhaften Aufschwung der Jahre nach dem Anschluss an Preußen und das Reich gehörte auch die Ansiedlung größerer Industriebetriebe. Ein großes Areal nimmt am nordöstlichen Stadtrand die aus der 1873 gegründeten Drahtstiftfabrik Witte & Kämper hervorgegangene Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerke AG (seit 2007 KME SE) ein. Ebenfalls mit zahlreichen geschützten baulichen Anlagen auf einer großen Fläche ist die Piesberger Bergwerksanlage ausgestattet. Hier wurde bereits im 15. Jahrhundert Steinkohle abgebaut, doch die Blütezeit des Osnabrücker Bergbaus begann erst in den 1870ern. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kohlebergbau aufgegeben und der Piesberg seitdem nur noch wegen seines hochwertigen Sandsteins als Steinbruch genutzt. Die Bedeutung der Anlage für die Stadtgeschichte vermitteln die verbliebenen historischen Gebäude sowie der 1909 aufgestellte Haarmannsbrunnen mit Terrassenanlage am Herrenteichswall, der an die 1893 bei einem Wassereinbruch im Piesberg ertrunkenen Bergleute erinnert. Er besteht zu einem großen Teil aus „Durilit“, einem aus Piesberger Sandsteinmaterial hergestellten Kunststein.
Die mit der Industrialisierung rasant gestiegene Bevölkerung benötigte Wohnraum, der in den neu erschlossenen Bereichen außerhalb der Innenstadt mit Siedlungen wie der Bergarbeiterkolonie in Eversburg oder den Wärterhäusern des ehemaligen Landeskrankenhauses in der Knollstraße geschaffen wurde. Bürgerlicher Wohnbau dieser Zeit ist in großen geschlossenen Gruppen am Hasetorwall 2-16, den Wohnhäusern Bramscher Straße/Wittkoppstraße, im weiträumigen Umfeld des Magnitorviertels sowie um den Straßburger Platz herum erhalten. Größere Siedlungsanlagen für geringer Verdienende wurden erst ab den 1920er Jahren gebaut, etwa die Werkssiedlung der Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerke in Gartlage oder die Siedlung der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah) in Westerberg. In der Kornstraße im Ortsteil Sonnenhügel baute der Architekt und Bauunternehmer Paul Thor 1929 eine Wohnanlage für kinderreiche Familien und Lungenkranke in der Architektursprache des Neuen Bauens.
Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde Osnabrück insgesamt zu 69% zerstört. Die Bausubstanz der Altstadt ging zu rund 80%, der Neustadt zu 93% und der Bahnhofsvorstadt zu rund 90% verloren. Der Wiederaufbau nach 1945 beschränkte sich größtenteils auf die Fläche innerhalb des mittelalterlichen Stadtgrundrisses. Beispielhaft ist neben dem Bereich um den Dom besonders der Altstadt-Marktplatz, wo neben weitreichend wiederhergestelltem mittelalterlichem Platzcharakter die 1959-1961 errichtete Stadtbibliothek steht. In städtebaulich wirksamer Ecklage direkt neben dem Rathaus ist sie in ihrer modernen Gestaltung ein ehrlicher Hinweis auf den Neuanfang nach der Zerstörung. Ebenfalls städtebaulich prägend sind die Gebäude der ehemaligen Kreisverwaltung (1951-1953) und der Industrie- und Handelskammer (1953/54) am Neuen Graben, die in der Nähe des Schlosses eine Sichtachse auf die Katharinenkirche bilden. Unweit davon, nördlich der Kirche präsentiert sich das fünfgeschossige Behördenhaus in der Hakenstraße 15 als fortschrittlicher Verwaltungsbau von 1955. Gleichaltriges Gegenstück dazu aus dem gewerblichen Bereich ist das Gebäude der Textilfabrik Wehrmeyer in der Detmarstraße, ebenfalls fünfgeschossig. Charakteristisch für Aufbruch und Mobilität in der jungen Bundesrepublik sind die Tankstellen der Nachkriegszeit, mit gefliesten Außenwänden und Segeldach ist die Osnabrücker Tankstelle in der Karlstraße beispielhaft für diesen Typus.
Das geschichtliche gewachsene Nebeneinander von Katholiken und Protestanten bildet sich in den Osnabrücker Kirchenbauten ab, denn beide Konfessionen sind hier mit herausragenden Gotteshäusern vertreten. Unter den Bauten des 19. Jahrhunderts ragt besonders die 1893 geweihte, reformierte Bergkirche hervor. Sie ist eine der ersten Kirchen, die sich mit der Disposition von Altar, Kanzel und Orgel am „Wiesbadener Programm“ orientierte und gleichzeitig die damals besonders von ihrem Architekten Otto March (1845-1913) propagierte Gruppierung von Kirch- und Gemeindebauten umsetzte. In fortschrittlich freiem Umgang mit romanischer Formensprache und einer aufwändigen, gut erhaltenen Innenausstattung präsentiert sich die vom hannoverschen Architekten Karl Börgemann (1851-1938) entworfene Lutherkirche. Davon nur wenige hundert Meter entfernt steht die 1913 begonnene römisch-katholische Pfarrkirche St. Joseph. Sie wurde vom Osnabrücker Architekten Albert Feldwisch-Drentrup (1872-1934) in ebenfalls neuromanischen Formen entworfen. Es scheint kein Zufall zu sein, dass sie mit der wenig älteren Lutherkirche nebenan in der Größe zumindest mithält – es heißt, sie besäße die größte Kuppel Nordwestdeutschlands. Weitere bedeutende katholische Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts sind die 1932/33 nach Plänen von Dominikus Böhm (1880-1955) gebaute Heilig-Kreuz-Kirche im Stadtteil Schinkel und die St. Franziskus-Kirche von Rudolf Schwarz (1897-1961), vollendet 1965 von seiner Frau Maria Schwarz (1921-2018). Trotz des zeitlichen Abstands zeigen die Bauten der beiden befreundeten Architekten Böhm und Schwarz in der jeweils kaum steigerungsfähigen monumentalen Sachlichkeit eine deutliche Nähe zueinander. Während St. Franziskus kubische Abschnitte aus Backstein und Beton gruppiert, zeigt die 1964 von Otto Andersen (1924-1981) fertiggestellte Weststädter Bonnuskirche mit fast nur aus schlanken Kupferdächern bestehenden Baukörpern ein anderes ästhetisches Konzept.
Von den geschützten Friedhöfen sind insbesondere der Hasefriedhof im Norden und der Johannisfriedhof im Süden zu nennen, sie wurden als Ersatz für die geschlossenen Kirchhöfe der Stadt bereits 1808 vor den Toren der Stadt angelegt. Auf ihnen befinden sich zahlreiche hochrangige Denkmale überwiegend des 19. Jahrhunderts, darunter auch sonst nur selten erhaltene Beinhäuser. In ihnen wurden Gebeine von Mitbürgern aufbewahrt, deren Grabstellen nach Ablauf der Ruhefrist nicht verlängert werden konnten. Der an den Johannisfriedhof grenzende 2.500 qm große Jüdische Friedhof Magdalenenstraße gehört mit ca. 250 erhaltenen Grabsteinen aus der Zeit zwischen 1856 und 1996 zu den bedeutendsten Zeugnissen der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Niedersachsen.
In den ländlich geprägten peripheren Ortsteilen der Stadt befinden sich einige Herrschaftssitze wie die barocke Rittergutsanlage Leye in Atter oder das Schlossgut Sutthausen mit einem ausgedehnten, als Landschafts- und Nutzgarten gestalteten Park. Unter den für die landwirtschaftliche Nutzung geschaffenen Baudenkmalen befinden sich einige regional typische Speichergebäude, unter denen der massiv gebaute Wehrspeicher in Pye aus dem vermutlich 16. Jahrhundert hervorsticht. Die anderen stammen vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in Alter und Aufbau unterscheiden sie sich von den Steinwerken in der Osnabrücker Altstadt.
Zum Weiterlesen:
Hermann Kuhl, Jörg Frenzel: Architekturführer Osnabrück, Berlin 2014
Christian Kämmerer [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen. Stadt Osnabrück, Braunschweig 1988

